Zwischen Radieschen waschen und Rucola pflücken

von Gaby Arndt

Ein Arbeitstag in der Bioland Gärtnerei Ulenburg

c/o Gaby Arndt

Löhne. Wieder einmal war die Landtagsabgeordnete Angela Lück auf Erkundung in ihrem Wahlkreis und landete im Gewächshaus der Bioland Gärtnerei Ulenburg.

Sie startete mit dem Ernten von Tomaten, danach Radieschen waschen und Rucola schneiden.

Die Bioland Gärtnerei Ulenburg beschäftigt ca. 32-40 Menschen, die sich als Kollektiv verstehen. (Über 100 junge Leute wurden hier schon zur Gemüsegärtnerin und zum Gemüsegärtner ausgebildet.) Sie arbeiten nicht nur gemeinsam, sie entscheiden auch gemeinsam, was und in welcher Reihenfolge geerntet, gesät, gewaschen und welche Investitionen getätigt werden. Jede und jeder erhält dasselbe Gehalt und hat Mitspracherecht über die Höhe, (ein Mensch, eine Stimme). Verantwortung für sich und andere hat höchste Priorität. Seit 2016 ist deshalb die Gärtnerei Ulenburg eine eingetragene Genossenschaft.

Zum Mittagessen trifft man sich zwischen den Gewächshäusern im Gruppenhaus. Im Vordergrund stehen während der Mittagszeit, erst gemeinsam essen, dann gemeinsam planen, etwas Small-Talk und dann wieder an die Arbeit. Gelegenheit für die Abgeordnete persönlich mit allen ins Gespräch zu kommen.

„Wir spüren durch das Mehr an Bioprodukten auf dem Markt einen Preisdruck, der unsere Produkte und Einnahmen natürlich auch reduziert.“, erklärte Wolfgang Nemesch. „Wir verkaufen 70% unserer Ware an große Bioläden und Discounter, die restliche Ware wird auf dem Markt verkauft.“ Der Trend zu mehr ökologischer Landwirtschaft ist deutlich spürbar, so die allgemeine Meinung.

Leider ist die Umstellung von Konventionell auf Öko für Landwirte immer noch sehr unattraktiv und mit Unsicherheiten und hohen Investitionen verbunden. Insbesondere zu Beginn, wenn der Ertrag und die damit auch finanzielle Situation sich schwierig gestaltet. Durch Anreize oder auch Verordnungen könnte man schneller zum gewünschten Ziel kommen z. B. bei der Tierhaltung: „Wenn Politik das Verhältnis Tiermasse an die Fläche koppelt, wird die Massentierhaltung sehr bald zur Vergangenheit gehören!“, so Luidgard Pfundstein. Auch die vielen unterschiedlichen Verordnungen EU, Land und Bund im konventionellen und auch Ökobetrieb machen den Landwirten und Gärtnern zu schaffen. Hier wäre ein ganzheitliches Konzept für alle einfacher und durchschaubarer.

Unter den jungen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern gab es auch Kritik am ÖPNV und mangelnden Fahrradwegen, die für eine Entlastung der Straßen und gleichzeitig für weniger CO²-Ausstoß sorgen könnten. Auch eine Novellierung des Bildungswesens, mehr Projektarbeit in den Schulen, hin zu einer lebensnahen Bildung waren Themen, die Angela Lück mit auf dem Weg bekam.

Man spürt, dass nicht nur die Pflanzen hier nach genauen Abläufen versorgt, auch die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen verfolgen hier ein nachhaltiges und gleichbe­rechtigtes Miteinander immer im Einklang mit der Natur.

Abschließend führ sie mit dem langjährigen Mitarbeiter Wolfgang Nemesch auf die gepachteten Felder, über 54 ha Freiland und dazu noch 6000 m² Gewächshaus­fläche, der Gärtnerei Ulenburg. Auffällig:

Unkraut zwischen den Pflanzen auf dem Acker, Fehlanzeige, hier herrscht Ordnung. Das bedeutet auch, vor dem Säen Unkraut beseitigen, natürlich ohne Schädlingsbe­kämpfungs­mittel, danach immer wieder kontrollieren und entfernen. Hier herrscht großer Respekt vor der Natur und auch zwischen den Kolleginnen und Kollegen.

„Eine beeindruckenden Fläche, die hier zu bearbeiten ist.“, staunte Lück. „Wichtig ist uns die Vielfalt zu erhalten. Wir haben nichts gegen Mais, aber wichtig ist doch für uns alle, dass wir etwas zu essen auf dem Tisch haben! Wenn wir dann noch Mais für die Energiegewinnung anbauen, ist das kein Widerspruch.“, resümierte Wolfgang Nemesch.

„Für mich war der Besuch hier in der Gärtnerei eine sehr interessante und lehrreiche Zeit“, so Lück. „Es ist ein Job, der auf die Knochen geht, bei Wind und Wetter raus, das bedeutet viel Idealismus und Naturverbundenheit und, Öko hat nichts mit Unordnung zu tun hat.“ 

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