Talk am Dom mit Angela Lück und Cathrin

von Elena Strehle

Von: Cathrin Kunze & Stefan Winter

Life, das Stadtmagazin. Diesen Sommer: Sie sitzt an der Kasse im Bünder Marktkauf und pflegt die Patienten auf Station im Lukas-Krankenhaus. Doch eigentlich haben wir Angela Lück im klimatisierten Büro am Düsseldorfer Landtag vermutet. Was ist los „mit unserer SPD-Landtagsabgeordneten“ aus dem Kreis Herford ? Das wollen wir umgehend wissen und laden sie zum „Talk am Dom“ ein.

Life: Frau Lück, was haben Sie als Abgeordnete an der Marktkauf-Kasse zu suchen?

Angela Lück: Dazu kam es im Rahmen der Tatkrafttage auf meiner Sommertour.

Life: Was muss man unter Tatkrafttagen verstehen?

Angela Lück: Die führe ich schon seit Jahren durch. Mir ist es einfach wichtig, den Kontakt zu Menschen zu bekommen, aber auch zu wissen, wie die Beschäftigungsverhältnisse in den einzelnen Berufen sind, wie arbeiten die Menschen, was bewegt sie? Ich war auch schon bei der Steuerfahndung, bei Pressestellen, aber auch beim Ein-Mann-Malerbetrieb, um einfach zu hören, wo der Schuh drückt. Was erwarten die Menschen von der Politik? Was können wir auf Landesebene verändern?

Life: Ist das eine reine Werbetour für die SPD oder für Ihre eigene Wiederwahl?

Angela Lück: Nein, die Wahlen sind ja schon über ein Jahr her. Und diese Tatkrafttage mache ich jedes Jahr. Mir ist der Hintergrund errnst. Gerade wenn im Sommer in Düsseldorf sitzungsfrei ist, will ich hier im Wahlkreis tätig sein und den Kontakt zu den Menschen finden.

Life: Was können Sie konkret damit bewirken?

Angela Lück: Beim Tatkrafttag im Marktkauf etwa war es ein Thema, als Kunde eigene Behälter zur Fleisch- und Frischetheke mitzubringen, weil hier viel Verpackungsmüll entsteht. Daraufhin habe ich eine Anfrage an die Landesregierung gestellt, wie wir auf lange Sicht hygienisch einwandfreie Regelungen finden können, um den Interessen der Verbraucher, aber auch der Märkte entgegenzukommen.

Life: Es geht Ihnen also nicht nur um die Angestellten, sondern auch um Hintergründe?

Angela Lück: Ja, auch mal aus Sicht etwa der Marktkauf-Leitung zu hören, wo es eigentlich brennt, wie es z.B. mit den Auszubildenden ist. Hier frage ich bei meinen Einsätzen regelmäßig nach, ob man noch mehr unterstützen kann, mit Hilfe des Landes noch mehr Ausbildungsplätze schaffen könnte. Denn auf 100 Schulabgänger kommen bei uns ca. 60 Ausbildungsplätze. Wir brauchen einfach mehr davon.

Life: Gilt diese Knappheit für alle Berufe?

Angela Lück: Es gibt auch Bereiche, in denen noch Auszubildende gesucht werden, etwa in den Pflegeberufen. Ich war während meiner Tatkrafttage ja auch im Lukas-Krankenhaus. Und mein Krankenhaus, aus dem ich ursprünglich komme, hat eine Kooperation mit dem Bünder Haus, was die Ausbildungsplätze für Pflegekräfte angeht. Hier muss man noch deutlich mehr Ausbildungsplätze anbieten, wobei die Hausleitungen schon schauen, wie sie das umsetzen können.

Life: Wo waren Sie noch außer im Marktkauf und im Lukas?

Angela Lück: Gerade bei der Biologischen Station in Stift Quernheim, im Herrenhaus. Auf einer Ausgleichsfläche für Autobahnen haben wir an einem Uferrand zahlreiche wild gewachsene Bäume entfernt, weil man diese Fläche offen lassen möchte. Dann haben wir Streuobstwiesen kategorisiert.

Life: Welche besonderen Eindrücke nehmen Sie von Ihren Tatkrafttagen mit?

Angela Lück: Eindrucksvoll war die Obst- und Gemüseabteilung im Marktkauf, zu schauen, in welchem Beschäftigungsverhältnis die Menschen dort sind. Ein Mitarbeiter dort ist inzwischen teilzeitbeschäftigt, hatte aber in seiner berufllichen Laufbahn auch schon Probleme, aus der Arbeitslosigkeit raus zu kommen. Welche Nöte haben eigentlich die Menschen vor Ort, was müssen wir politisch verändern? Ganz deutlich geworden ist, dass die Leistungen für Menschen, die Arbeit suchen, oft ganz widersprüchlich sind. Für manche Jobs brauchen sie etwa einen Führerschein, aber aufgrund der Arbeitslosigkeit bekommen sie diesen nicht finanziert.

Life: Und wie war Ihr Eindruck an der Kasse?

Angela Lück: Ich glaube, diese Arbeit wird sehr unterschätzt. Es ist körperlich wirklich harte Arbeit, man sitzt immer in der gleichen Haltung und hat es auch mal mit nicht sehr freundlichen Kunden zu tun. Der Job erfordert viel Konzentration, Aufmerksamkeit und Durchhaltevermögen.

Life: Sie haben da an der Kasse ja für einen guten Zweck gesammelt. Wie viel ist zusammen gekommen?

Angela Lück: Alles das, was wir in der Zeit über den Scanner ziehen konnten, wollte der Marktkauf spenden. Am Ende konnte das Unternehmen dann einen Scheck über 1.446,-Euro ausstellen. Das war schon eine tolle Summe. Ich durfte dann aussuchen, wohin die Spende gehen sollte und habe mich für den Förderverein des Lukas-Krankenhauses entschieden, der das Geld für die Palliativstation nutzen möchte.

Life: Wie sah Ihre Station im Lukas-Krankenhaus aus? Sie sind ja dort in Ihrem alten Beruf gelandet ...

Angela Lück: Ich habe eine Frühschicht gemacht. Es war toll! Ich habe erst gedacht, dass ich vielleicht ein bisschen aus der Übung bin, aber Patienten zu unterstützen, die Betten frisch zu beziehen, Wunden versorgen, Temperatur und Blutdruck messen–all das hat sich nicht verändert. Heute ist allerdings noch mehr Dokumentation nötig als vor 40 Jahren, als ich meine Ausbildung angefangen habe. Das ersetzt aber keinesfalls die wichtige Kommunikation untereinander.

Life: Würden Sie sagen, dass Krankenschwestern zu niedrig bezahlt sind?

Angela Lück: Ich glaube nicht, dass die Bezahlung das Ausschlaggebende ist. Natürlich gibt es Unterschiede. So wird etwa die Altenpflege noch deutlich anders vergütet – da besteht dringender Nachholbedarf. Aber ansonsten sind es eher die weichen Faktoren, die ein Beruf und speziell die Pflege braucht. Sie brauchen rundum bessere Dienst- und auch Freizeitgestaltung, denn die Personalbemessung ist oft so knapp, dass gleich ein großes Loch gerissen wird, wenn nur ein Mitarbeiter fehlt und dann jemand gerufen werden muss, der frei hat. Das führt auf Dauer natürlich zu großer Ermüdung, gerade wenn man Freizeit und Ruhezeiten nicht mehr richtig planen kann. Besonders der Schichtdienst ist sehr anstrengend. Diese Berufe müssten gesellschaftlich einfach mehr geschätzt werden.

Life: Welche Aktionen planen Sie in Zukunft?

Angela Lück: Auf jeden Fall weitere Tatkrafttage. Für uns im Kreis Herford ist es auch ein großes Thema, dass wir mehr Frauen in die Politik bekommen. Ich würde mir sehr wünschen, dass wir mal eine Bürgermeisterin im Kreis bekommen. In Bünde hatten wir ja mal Frau Kleine-Döpke-Güse, aber momentan haben wir tatsächlich von neun Bürgermeistern nicht eine Frau.

Life: Was wünschen Sie sich von den Menschen im Kreis?

Angela Lück: Dass die Menschen mehr Augenmerk auf demokratische Parteien legen. Mehr schauen, was die Parteien machen und bewirken. Und dass dann mehr Leute wählen gehen, denn damit haben wir es selbst in der Hand.

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