Streit um Denkmalschutz: Petitionsausschuss gibt Eigentümern Recht

von Gaby Arndt

Treppe darf versetzt werden

Von Kathrin Heeren

Bünde(BZ). Seit sechs Jahren scheitert die Sanierung der Alten Apotheke an der Eschstraße an der unnachgiebigen Haltung der Unteren Denkmalbehörde der Stadt Bünde sowie an der Abteilung Denkmalschutz in Münster. Nachdem die Stadt am 12. Mai erneut einen Bauantrag der Eigentümerfamilie Eicker abgelehnt hatte, rief Inga Eicker den Petitionsausschuss um Hilfe an. Jetzt hat das Gremium die Streitigkeit im Sinne der Familie Eicker entschieden.

»Die Sanierung des denkmalgeschützten Gebäudes würde nach Berechnung eines auf Altbauten spezialisierten Architekturbüros eine Million Euro kosten«, sagt Inga Eicker. Das Problem: Trotz der hohen Kosten ließe sich kein Mieter für das Ladenlokal finden. Denn aktuell steht mitten im Raum eine Treppe, die die Ladenfläche zerteilt und noch dazu direkt in die Wohnung im Obergeschoss führt. »Früher war das so üblich, damit der Apotheker von seiner Wohnung aus schnell in die Apotheke kam. Heute kann man die Räume ohne Änderung aber nicht mehr vermieten. Die Raumaufteilung ist einfach ungünstig«, sagt Eicker.

Die Denkmalbehörde hatte bisher immer darauf bestanden, dass die Fassade und das Treppenhaus unbedingt zu erhalten seien. Familie Eicker hatte angeboten, die Fassade wieder in den ursprünglichen Zustand zu bringen, aber das Treppenhaus zu versetzen, um im Ladenlokal Raum zu gewinnen. Die Bünder Bauverwaltung wollte diesem Vorschlag mit Verweis auf den Denkmalschutz bisher nicht nachgeben.

Mit Hilfe der SPD-Landtagsabgeordneten Angela Lück schöpfte Inga Eicker die letzte Möglichkeit aus, die noch blieb. »Frau Lück hat mir geholfen, den Petitionsausschuss anzurufen.« Dieser kam am 13. Juli zu einer Ortsbegehung nach Bünde. »Auch Bürgermeister Wolfgang Koch hat uns bei diesem Termin den Rücken gestärkt. Der Stadt ist ja auch daran gelegen, die Fußgängerzone attraktiv zu halten. Mit Leerständen gelingt das aber nicht«, so Inga Eicker.

Inzwischen hat der Petitionsausschuss entschieden. Nach der Ortsbegehung erkennt er laut Schreiben vom 8. August die Bemühungen der Familie Eicker an, das alte Apothekergebäude so gut wie möglich zu erhalten. »Der Ausschuss erkennt aber auch die Notwendigkeit der Verpachtung des Erdgeschosses als Ladenlokal an einen solventen Pächter, um so die umfangreichen und dringend erforderlichen Sanierungsmaßnahmen im gesamten Gebäude zu finanzieren«, heißt es in dem Schreiben. Der Ausschuss sei davon überzeugt, dass ein geeigneter Pächter nur gefunden werden könne, wenn das Ladenlokal nicht durch die »grundsätzlich schützenswerte, aber in Zukunft funktionslose Treppe in der Mitte des Gebäudes geteilt wird«.

Daher begrüße der Ausschuss den Vorschlag von Bündes Bürgermeister Wolfgang Koch, wonach »unter der Voraussetzung der Unzumutbarkeit der Erhaltung der Treppe bei nicht zu erwirtschaftenden Pachteinnahmen die alte Treppe zwar in ihrer Form erhalten, aber an einen anderen Ort versetzt wird.«

Die Treppe soll künftig hinter Glas stehend an den Rand des Ladenlokals verschoben und mit einer Hinweistafel versehen werden, die auf die ursprüngliche Bedeutung hinweist.

Laut Petitionsausschuss soll ein neuer Antrag der Eickers auf eine denkmalrechtliche Erlaubnis zur Sanierung des Gebäudes wohlwollend geprüft werden, so dass dem Umbau nichts mehr im Wege stünde.

»Das ist erst mal ein positives Signal für uns. Ärgerlich nur, dass es sechs Jahre gedauert hat. Das hat uns sowohl nervlich als auch finanziell echt strapaziert. Und auch der Eschstraße kommt der Leerstand ja nicht gerade zugute«, sagt Inga Eicker. Sie selbst wird nicht entscheiden, wie es nun weitergehen soll. »Nach dem Tod meines Vaters ist meine Mutter Eigentümerin des Hauses. Sie wird zusammen mit meinem Bruder, der als Bauherr auftritt, entscheiden, wie es weitergeht. Aber erst mal sind wir nach dieser Rückmeldung zuversichtlich. Es gibt jede Menge Interessenten für das Ladenlokal.«

 

Wesrfalen-Blatt, 26.08.2016

 

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