SPD-Neujahrsfrühstück in Spenge

von Gaby Arndt

MdL Angela Lück referiert zu Praxis- und Pflegenotstand – Medizin-Zentren Alternative

c/o Gerhard Hülsegge

Von Gerhard Hülsegge, Westfalen-Blatt 07.01.2019

 

Spenge. Die Menschen müssen Abschied nehmen von der Vorstellung, einen Hausarzt zu haben, der 24 Stunden für sie da ist. Das hat die NRW-Landtagsabgeordnete Angela Lück am Sonntag beim traditionellen Neujahrsfrühstück des SPD-Stadtverbandes Spenge erklärt. Etwa 60 Parteimitglieder und Gäste waren ins Bürgerzentrum gekommen. Darunter auch Bürgermeister Bernd Dumcke mit Ehefrau Sabine.

 

»70 Prozent der Medizin-Studierenden sind Frauen, wir finden sie in den Praxen aber nicht wieder«, erklärte Lück. Der Anreiz, eine Praxis zu übernehmen, sei zu gering. Lieber arbeiteten sie in Kliniken mit geregelten Arbeitszeiten, aber auch Schichtdienst. Der Verwaltungsaufwand in den Praxen sei zu hoch, meinte die Politikerin zum Thema »Ärztliche Versorgung und Pflege im ländlichen Raum«. Um Ärzten die Scheu davor zu nehmen, sprach sich Lück dafür aus, sie in erster Linie »am Patienten arbeiten zu lassen«. Dies könne in Gemeinschaftspraxen geschehen.

 

Dem pflichtete auch Bürgermeister Bernd Dumcke bei. So sei nicht zu erwarten, dass selbst in Spenge, wo noch kein akuter Ärztemangel herrscht, viele Mediziner aber demnächst das Rentenalter erreichen, künftig sämtliche Fachärzte vor Ort seien. »Unsere Zukunft liegt darin, dass sie sich in einem Ärzteversorgungszentrum zusammentun. Dann ließen sich Synergie-Effekte nutzen, zum Beispiel durch eine gemeinsame Verwaltung«, meinte Dumcke.

 

Im Bund wie im Land sei vieles im Fluss, betonte SPD-MdL Angela Lück, die selbst 30 Jahre als Krankenschwester gearbeitet hat. Sie lobte den Vorstoß der Bundesregierung, ab 2020 eine generalisierte Ausbildung von Kranken- und Altenpflegern einzuführen. Das dazu nötige Ausführungsgesetz sei gerade vom Landtag Nordrhein-Westfalen verabschiedet worden, berichtete sie. Das sorge für eine bessere Durchlässigkeit in Ausbildung und Beruf.

 

»Der Pflege-Personalschlüssel muss sich am Bedarf der Pflegenden orientieren«, forderte Lück. Um den Beruf attraktiver zu machen, habe das Land NRW das Schulgeld auch um 100 auf 380 Euro pro Auszubildenden und Monat erhöht. Zudem sei es nötig, auch neue Wege in der Altenbetreuung und -pflege zu gehen. Wohngruppen, Generationenhäuser und die Schaffung sozialer Wohnquartiere seien nötig, betonte sie. Das von der Bundesregierung verabschiedete Pflegestärkungsgesetz bezeichnete Lück als großen Erfolg.

 

»Es ist einiges verbesserungsbedürftig«, meinte Sylke Tech als Vorsitzende des SPD-Stadtverbandes Spenge. Sie hatte sich unlängst bei einem ärztlichen Notfall in der eigenen Familie darüber gewundert, wie schwierig es offenbar selbst für Notärzte ist, für einen Schlaganfall-Patienten das passende Krankenhaus, das auch über ein Computertomographie (CT)-Gerät verfügt, zu finden.

Dass es zudem für eine alleinerziehende Mutter schwer sein kann, einen Kredit für den Kauf einer Waschmaschine zu erhalten, wertete Bürgermeister Bernd Dumcke als Indiz für berechtigte Politikverdrossenheit. Die Frage sei, wie gegengesteuert werden könne. »Hier ist die Sozialdemokratie gefordert«, so Dumcke.

 

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