Sicheres Zuhause in Gefahr

von Katharina Brand-Parteck

»Spatzenberg«: Hausleitung spricht mit Politik und Verwaltung über Radschnellweg

 

Löhne(LZ). Noch bevor die Planungen für das Löhner Teilstück des geplanten Radschnellweges von Herford nach Minden begonnen haben, hat Christiane Dittrich, Leiterin des AWO-Wohnheims »Spatzenberg«, Alarm geschlagen – mit Erfolg. Kommunalpolitiker teilen die Sorge, dass der Bau unmittelbar vor der Tür der Einrichtung Gefahren für die Bewohner bergen könnte.

»Wir sind bewusst früh an Sie herangetreten, damit unsere Problematik bei der Planung bedacht wird«, sagte Dr. Christiane Dittrich an die Anwesenden gewandt. Eine Machbarkeitsstudie hatte ergeben, dass die Anschlussstrecke von Löhne nach Herford über die Straßen Neuer Kamp und Zum Spatzenberg führen könnte. Eine Route, die schnelle Pedelecs und Rennräder unmittelbar am Autistenwohnheim »Spatzenberg« der Arbeiterwohlfahrt vorbeiführen könnte. »Die Stufen des Treppenaufgangs enden direkt an der Straße, unsere Bewohner würden nicht verstehen, dass sie zunächst stehenbleiben und sich nach Radfahrern umschauen müssten«, erläuterte die Einrichtungsleiterin. Aus ihrer Sicht bestehe gleichermaßen eine Gefahr für Bewohner und Fahrradfahrer. In der Vergangenheit war es bereits zu einem Unfall mit einem Radfahrer gekommen.

Zudem führe die vorgeschlagene Route entlang der Außenwohngruppe und des Spazierweges der 29 Bewohner. »Dabei ist die abgelegene und ruhige Lage aus therapeutischen Gründen sehr wichtig. Die Bewohner brauchen ein sicheres und ruhiges Zuhause«, ergänzte Elternvertreterin Ulrike Bläute-Weber.

Dem konnte auch David Jünck nur zustimmen. »Ich möchte nicht, dass hier gebaut wird, das ist doch gefährlich«, sagte der Bewohner. Eine alternative Route, die sich Christiane Dittrich und ihr Team überlegt haben, führt deshalb über die Straße Im Rüsken großzügig am Wohnheim vorbei. »Wir haben diese Bedenken ebenfalls gehabt«, sagte der SPD-Fraktionsvorsitzende Wolfgang Böhm. »Bisher ist nichts endgültig. Die Studie hat den Plan nur aufgrund bestehender Radwege aufgebaut. Ich finde es gut, dass man in einem Dialog über Probleme sprechen kann«, fügte Wolfgang Böhm hinzu. Seine Fraktion wolle sich dafür einsetzen, die Bedenken zu vertreten.

Ulrich Adler, Fraktionschef der Linken, betonte: »Wir müssen ein Miteinander schaffen und die Bedürfnisse der Radfahrer mit denen der Einrichtung vereinbaren. Die SPD-Landtagsabgeordnete Angela Lück mahnte, dass man die Menschen nicht durch den Radweg behindern dürfe, aber auch auf die Bedürfnisse der Radfahrer eingehen müsse.

»Bis es konkrete Pläne gibt, wird noch viel Zeit ins Land gehen und auch ein Planfeststellungsverfahren ist notwendig«, sagte Wolfgang Helten, Baudezernent der Stadt Löhne. Er klärte die Anwesenden darüber auf, dass Fußgänger nicht durch Radfahrer gefährdet würden. »Wir müssen uns aber vor Augen führen, was besser ist: Wildes, unkontrolliertes Fahren oder eine kontrollierte Strecke, wo nichts passieren kann?«, bemerkte Wolfgang Helten. Die späteren Entscheidungen zum Vorhaben würden auch nicht bei der Stadt, sondern bei der Bezirksregierung in Detmold liegen.

 

Westfalen-Blatt Löhne (13.02.2017)

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