Russen holen sich Tipps - Delegation besucht AWO-Seniorenheim in Kirchlengern

von Elena Strehle

Kirchlengern. In Russland ticken die Uhren in Sachen Gesundheitsversorgung anders. Eine groß angelegte Reform des Sozial- und Pflegesystems steht im Raum. Aber wie könnte die aussehen? Eine Antwort könnte auch in Kirchlengern liegen.

Eine 28-köpfige Delegation aus verschiedenen Regionen des Landes tourt derzeit auf Einladung der Friedrich-Ebert-Stiftung durch die Bundesrepublik, um sich Anregungen zu holen – und hat auch in der Elsegemeinde Halt gemacht. Und zwar haben sich die Männer und Frauen, die teils den Ministerien der verschiedenen russischen Verwaltungseinheiten angehören, im AWO-Seniorenzentrum am Mittelacker wichtige Tipps geholt. Der Kontakt zu der Einrichtung kam über SPD-Landtagsfrau und AWO-Präsidiumsmitglied Angela Lück zustande.

»In Russland gibt es große Probleme bei der Versorgung älterer Menschen«, sagt Ulrike Döring. Das Mitglied des Deutschen Pflegerates begleitet die russischen Gäste bei ihrer Tour durch die Bundesrepublik. Die entsprechende Infrastruktur im flächenmäßig größten Land der Erde sei schlecht. Zumeist würden Senioren bislang in ihren Familien betreut und gepflegt. Finanzielle Unterstützung oder Hilfe von Experten habe es für die Angehörigen bislang kaum gegeben.

Mittlerweile sei dieses Problem aber auch im Kreml wahrgenommen worden. Milliardenbeträge seien bereitgestellt worden, um das Pflege- und Sozialsystem zukunftsfähig zu machen. Ideen, wie das vonstatten gehen könnte, sollen bei staatlich geförderten Besuchen in anderen Ländern – in der Türkei, Frankreich, Israel oder eben in Deutschland – gewonnen werden. Ganz unterschiedliche Betreuungs- und Pflegeformen werden dabei in Augenschein genommen. »Man will wissen, wie sehen die Pflegekonzepte dort aus«, sagt Altenpflegerin Lena Andrev, die die russische Delegation begleitet.

Die AWO-Einrichtungsleiterin Frauke Burghardt-Oppermann und Angela Lück – selbst ausgebildete Krankenschwester – berichteten den interessierten Gästen über die deutsche Pflege- und Gesundheitslandschaft. Zugleich stellte die Landespolitikerin aber auch klar: »Wir sind bei uns zwar recht gut aufgestellt, haben aber auch Probleme, was die Personalsituation im pflegerischen und ärztlichen Bereich angeht.«

Westfalen-Blatt vom 14.05.2019

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