Rund 140 Löhner schauen virtuelle Maikundgebung

von Gaby Arndt

Foto Anthea Moschner

Von Anthea Moschner

Löhne. Nicht nur die Löhner SPD hat sich bei der traditionellen Maikundgebung in diesem Jahr etwas Neues einfallen lassen – zum ersten Mal fand sie als Livestream statt. Auch in der Arbeitswelt zwingt Corona in vielerlei Hinsicht dazu, neue Wege zu gehen. „Manchmal sind neue Wege Sackgassen, manchmal können sie aber auch ungeahnte Abkürzungen sein“, sagt Bürgermeister Bernd Poggemöller als einer von fünf Rednern am Arbeiterkampftag in der Werretalhalle.

Löhnes Bürgermeister meint damit neue Wege von Berufsinformationsveranstaltungen wie der Ausbildungsmesse Step One, die in diesem Jahr digital stattfindet. Denn ein reibungsloser Übergang von der Schule in den Beruf – besonders auch für diejenigen, die in Coronazeiten ihren Abschluss machen – sei wichtig. Auch auf die Digitalisierung und Modernisierung der Arbeitswelt kommt Bernd Poggemöller zu sprechen. „Menschliche Arbeit wird dringend benötigt. Arbeit hat Zukunft“, so das Stadtoberhaupt. „Die Arbeitswelt muss eine bessere sein“, fordert er mit Blick auf Arbeitsbedingungen und Bezahlung. Dafür müsse sie gemeinsam gestaltet werden.

SPD-Stadtverbandsvorsitzender Egon Schewe bedauert, dass das traditionelle Familienfest der SPD zum Maifeiertag ausfallen musste. „Aber eins bleibt zum Tag der Arbeit und der Arbeitenden erhalten: Solidarität ist Zukunft“, greift er das diesjährige Motto der Maikundgebung auf, das auch auf einem Banner vor der Bühne zu lesen ist. „Da steht nicht ‚Jeder rette sich selbst‘.“ Schewe spricht auch den Ursprung des 1. Mai und den ersten begangenen Kampftag der Arbeiterklasse im Jahr 1890 an. „Die Grundüberzeugung bleibt bis heute gleich.“

Wer den ganzen Tag arbeitet, muss von dieser Arbeit leben können

Solidarität ist auch für den SPD-Bundestagsabgeordneten Stefan Schwartze ein entscheidendes Thema. Vor allem auch denjenigen gegenüber, „die die Pandemie jeden Tag an vorderster Front bekämpfen“. Eine weitere Überlastung des Gesundheitssystems dürfe man nicht zulassen, weshalb auch die Bundesnotbremse in Kraft getreten sei.

Die Bezahlung in den Pflegeberufen ist ein Punkt, der Schwartze unter den Nägeln brennt. „Wer den ganzen Tag arbeitet, muss ohne Unterstützung von dieser Arbeit leben können. Das ist eine Frage des Respekts.“ Denn zu klatschen und diese Berufe als systemrelevant zu bezeichnen, reiche nicht, stellt Schwartze klar. Ihnen solle endlich der Stellenwert gegeben werden, den sie verdienen, fordert er. „Wertschätzung muss sich im Arbeitsalltag und am Ende des Monats im Portemonnaie zeigen.“ Man müsse dafür kämpfen, „dass Solidarität wieder bedeutet, dass Starke mehr tragen als Schwache“.

In der Rede von der SPD-Landtagsabgeordneten Angela Lück geht es am vergangenen Samstag ebenfalls um das Motto der Veranstaltung. „Solidarität ist die Grundlage der Demokratie.“ Corona könne dem Solidaritätsgedanken wieder neuen Aufschwung geben, meint Lück. Solidarisch sei auch die Chancengleichheit von Männern und Frauen. Wichtig ist für Angela Lück auch die Chancengleichheit in der Bildung. Kinder aus reichem Haus kämen in Zeiten von Homeschooling und der damit verbundenen Notwendigkeit von Laptop, Tablet und Co. besser durch die Krise. Lück: „Bildung darf nicht vom Geldbeutel der Eltern abhängig sein.“

Der letzte Redner im Bunde war Friedel Böhse, DGB-Kreisvorsitzender. Er hatte seine Rede, die Teil des Livestream war, vorab aufgenommen, da er am Samstagmorgen schon bei der zentralen Maikundgebung des DGB in Herford war.

Für das technische Know-how hatte die SPD Hilfe von Profis bekommen, die sich um die Liveübertragung kümmerten. 137 Zuschauer sahen sich am Samstagmorgen die virtuelle Maikundgebung von zu Hause aus an. „Wir sind zufrieden. Es war eine eingeschränkte Sache, aber eine öffentlich sichtbare Sache“, so Egon Schewe. Der neue Weg, den die SPD mit dem Livestream zum 1. Mai gegangen ist, scheint in diesem Fall – um es in den metaphorischen Worten des Bürgermeisters auszudrücken – also keine Sackgasse gewesen zu sein.

 

Neue Westfälische vom 03.05.2021

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