Publikum spaltet sich in zwei Lager

von Gaby Arndt

 

Löhne (LZ). Angst, Unsicherheit, aber auch viel Hilfsbereitschaft zeigen sich derzeit im Zusammenhang mit den Flüchtlingen in der Stadt. Seit die Hauptschule Löhne-West zur Flüchtlingsunterkunft geworden ist, sind vor allem auch viele Fragen zur Lage in der Kommune, aber auch bundesweit aufgekommen.

Diesen Fragen haben sich am Freitagabend Landtagsmitglied Angela Lück (SPD), Bundestagsmitglied Tim Ostermann (CDU) und Bürgermeister Bernd Poggemöller (SPD) gestellt. Organisiert worden war die Veranstaltung in der Aula des Gymnasiums von der Löhner Bürger-Allianz (LBA). Der LBA-Vorsitzende Hermann Ottensmeier übernahm die Moderation.

Etwa 70 Bürger waren zu der Veranstaltung gekommen, bereits nach wenigen Minuten wurde dabei deutlich: Die Meinungen zur Flüchtlingsthematik gingen stark auseinander. Immer wieder gab es Applaus zu Aussagen der Politiker oder der Bürger, jedes Mal jedoch nur von einem Teil der Anwesenden. Schnell teilte sich das Publikum in zwei Lager: Da waren diejenigen, die dem Thema Flüchtlinge positiv gegenüberstanden, und diejenigen, die sich als klare Gegner zeigten. Immer wieder verließen Bürger die Veranstaltung vorzeitig, die Stimmung war zeitweise aufgeheizt, blieb aber insgesamt friedlich.

Applaus seitens der Befürworter gab es vor allem dann, wenn die Politiker den vielen ehrenamtlichen Helfern ihren Dank aussprachen. »Ohne Sie wäre das alles nicht möglich«, sagte Bernd Poggemöller. Er betonte immer wieder, dass die Flüchtlinge in seiner Stadt auch weiterhin willkommen geheißen würden. »Wichtig ist, dass wir nun das Heft des Handelns in die Hand nehmen. Wir müssen weg von der Krise und hin zu den vielen Chancen, die diese außergewöhnliche Situation bietet«, sagte der Bürgermeister.

Konkret meinte er damit, dass die Menschen mit Fluchterfahrung nach einer gelungenen Integration gute Arbeitskräfte werden und langfristig die Lücken schließen könnten, die sonst entstanden wären. Hierzu erklärte auch Angela Lück: »Ich komme selber aus dem Gesundheitswesen und ich weiß um den drohenden Fachkräftemangel – auch in anderen Bereichen. Da können wir diese Menschen, die oftmals mit einer Qualifikation hierher kommen, gut gebrauchen.«

Zu den Qualifikationen der Flüchtlinge im Kreis Herford konnte Tim Ostermann konkrete Zahlen der Agentur für Arbeit nennen: »18 Prozent der Flüchtlinge hier im Kreis sind Akademiker, 26 Prozent haben einen Nachweis über eine abgeschlossene Ausbildung. Viele weitere Menschen haben Qualifikationen, zu denen sie aktuell nur keinen Nachweis haben«, erklärte der Bundestagsabgeordnete. Dem Einwand eines Bürgers, die Nachweise könnten gefälscht sein, hielt er entgegen: »Unsere Mitarbeiter der Agentur für Arbeit wissen, was sie tun. Sie lassen sich nicht nur Papiere zeigen, sie reden auch mit den Menschen und sind für ihre Aufgabe geschult.«

Gefragt wurde in diesem Zusammenhang nach Deutschkursen, um die Flüchtlinge überhaupt in die Arbeitswelt integrieren zu können. »Wir haben im Landtag gerade erst beschlossen, hierfür im kommenden Jahr vier Millionen Euro zur Verfügung zu stellen«, sagte Angela Lück. Darüber hinaus solle unter anderem in Lehrer, Erzieher und die Polizei investiert werden. »Glücklicherweise haben wir derzeit eine gute Konjunkturlage, sodass wir Mittel einsetzen können, ohne zusätzliche Schulden zu verursachen«, erklärte sie.

Ein weiteres Thema, zu dem viele Fragen gestellt wurden, war der Nachzug der Familien der Flüchtlinge. Hierzu bezog Ostermann klar Stellung: »Ein Familiennachzug sollte nur dann möglich sein, wenn für die Angehörigen eine direkte Gefahr besteht.« Angela Lück dagegen erklärte: »Wenn wir die Angehörigen nicht hierher lassen, werden auch sie gefährliche Wege auf sich nehmen, um doch zu kommen. Das kann nicht in unserem Sinne sein.«

Kritisiert wurde von einigen Bürgern generell Angela Merkels »Einladung an die Welt«, hierher zu kommen. »Diese Entscheidung kritisiere ich nicht«, sagte Ostermann. Er erklärte zudem, dass das christliche Menschenbild ganz klar erfordere, verfolgte Menschen aufzunehmen. Auch Lück betonte, dass die Hilfe für die Menschen in Not unumgänglich sei. Sie sagte zudem: »Wir sind eine Gesellschaft aus Vielfalt. Und ich bin stolz darauf, in dieser Vielfalt leben zu dürfen.« Seine Hilfe den Flüchtlingen gegenüber signalisierte auch Bernd Poggemöller deutlich: »Wenn jemand vor Mördern und Bomben flieht, dann bekommt er hier Hilfe.« Um dies finanziell zu schaffen, sagte Ostermann, dass es künftig 670 Euro pro Monat und Flüchtling geben werde.

Nicht zufrieden mit diesen Äußerungen zeigte sich ein Gast, der seinen Namen mit Stephan Höge aus Herford angab. Er schien die Veranstaltung vielmehr nutzen zu wollen, um seine rechtsradikale Einstellung zu diesem Thema publik zu machen. Für seine Aussage »Ich bin rechts und ja, ich bin stolz darauf«, erntete er von einigen Anwesenden Zuspruch, vor allem aber viel Entsetzen. Er sagte, dass er Angst um seine Sicherheit habe und stellte den von der Politik dargestellten Fachkräftemangel in Deutschland in Frage. Auch Herbert Weber von der AfD Herford äußerte sich kritisch und warnte vor der »Überfremdung durch fremde Kulturen«. Sowohl Ostermann als auch Lück und Poggemöller betonten jedoch immer wieder, dass sie sich für die Integration der Flüchtlinge einsetzen werden und diese als Chance sehen.

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