Politik trifft Ehrenamt

von Gaby Arndt

On Tour: Stefan Schwartze, Angela Lück, Christian Dahm und Jürgen Müller besuchen das Widukind-Gymnasium und erfahren bei ihrer Enger-Tour auch, wo es günstige Kleidung gibt

Enger. Neugierig waren sie, die vier Spitzenpolitiker, die sich in Enger – wie in anderen Kommunen des Kreises Herford auch – auf den Weg machen, um etwas über die Arbeit der Ehrenamtlichen zu erfahren. In der Widukindstadt begannen der SPD-Bundestagsabgeordneter des Kreises und der Stadt Bad Oeynhausen, Stefan Schwartze, die beiden SPD-Landtagsabgeordneten Angela Lück und Christian Dahm und Landrat Jürgen Müller im Widukind-Gymnasium Enger mit der Fragerunde. Sie erfuhren von Schulleiter Ulrich Henselmeyer und seiner Stellvertreterin Katrin Höcker-Gaertner, wie wichtig das Engagement der Helferinnen und des Helfers in der Mediothek der Schule sei. Fünf engagierte Eltern von aktuellen oder auch ehemaligen Schülerinnen und Schülern stellen die Buchausgabe und Verwaltung der Medien sicher. Henselmeyer: „Sie leisten hier hochprofessionelle Arbeit.“ Bürgermeister Thomas Meyer würdigte die Kontinuität und erinnerte sich auch daran, dass das Mediothek-Team bereits den städtischen Preis für das soziale Ehrenamt bekommen habe. Landrat Müller erkannte: „Hier gibt es ein großes Angebot. Das ist wirklich bemerkenswert.“

Beeindruckt waren die vier Gäste aber auch von der Integrations-Arbeit im WGE. Stefanie Kaschner berichtete von der Aufgabe, nicht deutsch sprechende Kinder zu integrieren. 21 Kinder aus unterschiedlichen Ländern betreue die Gruppe derzeit. Stefanie Kaschner kümmert sich jetzt im vierten Jahr an jeweils vier Tagen die Woche um die Schülerinnen und Schüler, die in speziellen Stunden nicht nur das von Lehrern bereit gestellte Material bearbeiten, sondern auch gemeinsam spielen und von ihren Erlebnissen erzählen. Angela Lück fragte nach ihrer Motivation. „Ich sehe, was aus den Kindern wird. Einige machen bereits eine Ausbildung. Die Fortschritte zu sehen, das macht wirklich Spaß.“

Und dann erfuhren die Gäste noch etwas über die Arbeit der Technik-AG im WGE. In der Aula berichtete Lehrer Ernst-Martin Meierarend von der Tätigkeit der Jugendlichen – es seien immer sieben bis neun Schülerinnen und Schüler aus drei Jahrgängen – die für die funktionierende Akustik- und Licht-Technik in der Schule zuständig seien.

Ein großes Maß an Engagement spürten die vier Politiker auch beim Besuch des Textilgeschäftes an der Mathildenstraße. Den Begriff „DRK-Kleiderkammer“ mochte Detlef Klute nicht so gern hören. In den vergangenen zwei Jahren habe sich das Geschäft etabliert. „Wir bedienen hier alle. Vom Millionär bis zum Bettelmann“, sagte Klute, der zusammen mit einem zwölfköpfigen Team das Geschäft betreibt. Über 3.000 Stunden hätten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im vergangenen Jahr im Geschäft verbracht und immerhin 180 Kubikmeter gespendete Kleidung sortiert und dann wieder verkauft. Und er betrachtete den Besuch der interessierten Politik auch als Anerkennung der Arbeit. „Es ist schön, Sie so zahlreich begrüßen zu dürfen.“

Das kleine Schwarze für die Dame, die Puppe fürs Mädchen

Klute berichtete von der täglichen Arbeit. Und von einer Dame, die an einem Donnerstag „ganz dringend“ für einen Ball ein Kleid suchte. „Sie fand ein kleines Schwarzes, kaufte es und brachte es am nächsten Donnerstag als Spende wieder vorbei. Sie brauchte es ja nicht mehr.“ Und auch von dem kleinen Mädchen berichtete er, dass sich kurz vor Weihnachten in eine Deko-Puppe verliebt hatte und sie gar nicht mehr hergeben wollte. „Doch ihre Mutter konnte sie ihr nicht kaufen. Da haben wir alle zusammen gelegt und der Kleinen die Puppe geschenkt. Die hat sich vielleicht gefreut.“ Da hatten nicht nur die dankbare Mutter, sondern auch die Mitarbeiter des Textil-Geschäftes in der Engeraner Innenstadt Tränen in den Augen.

Der Überschuss des Geschäftes wird für die Miete und Nebenkosten genutzt. Der DRK-Ortsverein wurde zudem bei der Anschaffung von Funkgeräten und einer Waschmaschine unterstützt. Zudem geht ein Teil des Geldes an die Grundschulen. Hier bekommen bedürftige Kinder mal ein Frühstück oder Obst oder auch Schulmaterialien, weil den Eltern für die Anschaffung eines neuen Bleistiftes das Geld fehle. Das Geschäft ist jeweils mittwochs und samstags von 10 bis 13 Uhr und donnerstags von 10 bis 18 Uhr geöffnet.

Zu Gast waren die Politiker auch im Jugendzentrum Kleinbahnhof. Hier sahen sie sich die neuen mit Graffiti verzierten Außenwände an. Sie erfuhren von Jan Brockelt, Mitarbeiter des Jugendzentrums, wie sich sieben Jugendliche unter Anleitung mit dem Thema Toleranz beschäftigt hatten und das Engeraner Konzept für die Gestaltung der Wände auswerteten. Freiheit, Gerechtigkeit, Vertrauen, Freundschaft, Respekt oder Menschlichkeit lauten die Begriffe, die farbenfroh an der Wand stehen. Und: „Stop Rassismus“.

„Sieht gut aus,“ urteilte Angela Lück. Und Stefan Schwartze sagte: „Die Ideen finden, ein Konzept entwickeln und die Umsetzung – alles in einer Woche. Respekt.“

Das Projekt nimmt an einem Jugendintegrations-Wettbewerb der Bertelsmann-Stiftung teil.

 

Neue Westfälische vom 28.08.2019

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