NRW-Gesundheitsministerin Barbara Steffens informiert sich in Bünde über die örtliche Versorgung von Pflegeheimbewohnern

von Katharina Brand-Parteck

"Virtuelle Visite ist ein ganz spannendes Projekt"

VON GERALD DUNKEL
Bünde/Düsseldorf. Das Bünder Land ist seit Juli eine von fünf ausgewählten Pilotregionen für die Verbesserung der medizinischen Versorgung in Pflegeheimen in NRW. Für Gesundheitsministerin Barbara Steffens war ihr Besuch gestern in Bünde denn auch nicht nur dazu da, um sich über die Fortschritte zu informieren, sondern auch um den Ideenreichtum der hiesigen Beteiligten nach Düsseldorf und im Weiteren auch nach Berlin zu tragen.

Das neue Modellprojekt sieht vor, die Gesundheitsversorgung von Pflegeheimbewohnern zu verbessern. Initiiert wurde es von den gesetzlichen Krankenkassen und der Kassenärztlichen Vereinigung. Neben Bünde zählen auch Lippe, Marl, Münster und Unna zu den Modellregionen.


Im Bünder Land obliegt die Umsetzung dieses Projekts dem ortsansässigen Ärztenetzwerk MuM - "Medizin und mehr", in dem mehr als 50 niedergelassene Haus- und Fachärzte zusammengeschlossen sind. Insgesamt 72.000 Menschen in der Region werden von diesen Medizinern und ihren insgesamt 300 Mitarbeitern betreut.

MuM-Geschäftsführer Jens Gabriel konnte der Grünen-Politikerin Barbara Steffens und der SPD-Landtagsabgeordneten Angela Lück drei Monate nach dem Start belegen, dass das Projekt erfolgreich gestartet ist. "Unser Netzwerk steht aktuell mit 14 Pflegeeinrichtungen aus der Region in Kontakt, die wir für die Teilnahme am Projekt gewinnen konnten. Schon nach acht Wochen haben sich insgesamt 257 Patienten zur Teilnahme entschlossen, sich durch ihren behandelnden Arzt in das Programm einschreiben zu lassen. Sie profitieren nun von der neuen Versorgungsform, die die Regelleistungen der Krankenkassen ergänzt", erklärt Jens Gabriel.

Konkret bedeutet das Projekt für die Patienten, dass ihre niedergelassenen Haus- und Fachärzte, die daran beteiligt sind, in regelmäßigen Abständen feste Sprechstunden in den Pflegeeinrichtungen anbieten und jeweils vor den Wochenenden den Gesundheitszustand der Bewohner gemeinsam mit dem Pflegepersonal erörtern. Dadurch sollen besonders Notfallsituationen an Wochenenden und Feiertagen möglichst verhindert und belastende und oft auch unnötige Einweisungen ins Krankenhaus vermieden werden.

Gerade dabei hat das Bünder Ärztenetzwerk mit seiner im Frühjahr vorgestellten elektronischen Visite eine Vorreiterrolle eingenommen. Dabei werden Bewohner eines Pflegeheims einem Mediziner per Online-Videokonferenz vorgestellt, wenn sie sich beispielsweise eine kleinere Verletzung zugezogen haben, oder wenn es um Fragen zu Medikamenten geht. Das weitere Vorgehen bis zur nächsten persönlichen Visite wird dabei zwischen Pflegepersonal und Arzt festgelegt. Für Barbara Steffens ein Stück Bünder Gesundheitsversorgung, das sie auch in Düsseldorf und später auf bundespolitischer Ebene in Berlin vorstellen will.

"Das ist ein ganz spannendes Projekt", so Steffens. "Manchmal ist es mit einem kurzen Blick des Arztes getan, um auch dem Pflegepersonal Sicherheit zu geben. Oft werden Bewohner aus Unsicherheit vorsorglich ins Krankenhaus eingewiesen." Aber die virtuelle Visite ist lediglich eine Ergänzung zur persönlichen Begutachtung durch einen Arzt.

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