Müntefering würdigt Löhner Hospizarbeit

von Katharina Brand-Parteck

Der ehemalige Vizekanzler zu Besuch im Eduard-Kuhlo-Heim / "Tour durch Abschnitt der älteren Lebensphase"

Löhne (pvk). Das Leben im Alter ist ihm ein besonderes Anliegen. Franz Müntefering, der ehemalige Vizekanzler, ließ gestern bei einem Gespräch im Eduard-Kuhlo-Heim sogar die Kohlrouladen auf seinem Teller kalt werden, um über Hospiz- und Palliativarbeit zu reden. "Die wird bislang nicht genug gewürdigt." Die Stadt Löhne hingegen sei für die Arbeit ein besonders gutes Beispiel.

Heike Grabenhorst, Leiterin des Kuhlo-Heims, erklärt das so: "Wir haben eine super Vermittlung in die ambulante und stationäre hospizliche Versorgung der Bürger."

Das Seniorenheim war eine von vielen Stationen im Kreis Herford: Müntefering machte gemeinsam mit weiteren SPD-Politkern eine Tour "durch den Abschnitt der älteren Lebensphase", wie der Vlothoer Bundestagsabgeordnete Stefan Schwartze es nannte.

In der Werrestadt wollte die SPD-Riege nicht nur das Eduard-Kuhlo-Heim besuchen, sondern auch mit Ehrenamtlichen des Hospizkreises Löhne ins Gespräch kommen. "Wir brauchen eine Kombination aus Professionellen und Ehrenamtlichen", ist Müntefering der Meinung, "und wir brauchen eine Kombination aus stationärer und ambulanter Begleitung."

Zwar würden wir alle nur einmal sterben, aber: "Es gab noch nie so viele alte Menschen." Die Einsamkeit sei die größte Krankheit, so würden viele verzweifeln. Deshalb müsse die Politik die Hospizarbeit besser in die Altenheime integrieren. Denn, so Müntefering: "Das Altern in Würde hängt im Wesentlichen von der Begleitung ab."

Die Landtagsabgeordnete Angela Lück betonte, dass es wichtig sei, mit den Kommunen zusammenzuarbeiten, um den Menschen, die dort leben, die besten Lösungen zu bieten. Heike Grabenhorst sieht in Kreisen und Städten noch Entwicklungsmöglichkeiten: "Die Über-80-Jährigen werden deutlich mehr." Das Land habe jetzt die Möglichkeit geschaffen, zielgerichtet zu planen.

Es gab jedoch nicht nur versöhnliche Worte in Richtung der Politiker. Kerstin Hensel, Vorstand des Diakonischen Werkes im Kirchenkreis Vlotho, prangerte an, dass Ehrenamtliche häufig noch Geld mitnehmen müssten. "Die Fahrtkosten sind nicht abrechenbar", sagte sie.

Franz Müntefering war da ganz auf ihrer Seite. Die kommunalen Rahmenbedingung müssten optimiert werden. Und überhaupt: "Die Wertschätzung für bisher frauenlastige Berufe muss steigen."

Gerade die Arbeit mit der immer älter werdenden Gesellschaft ist Müntefering wichtig: "Hospiz ist Zeit und Bereitschaft, sich dem Anderen zuzuwenden. Das muss obligatorisch sein. Und wir müssen uns dazu verpflichten, dass das gemacht wird." Salopp fügte der ehemalige Spitzenpolitiker hinzu: "Du bekommst mit 80 eher eine neue Hüfte, als etwas für die Seele, etwas fürs Herz."

 

Hier geht es zur Bildergalerie des "Münte" Besuchs!

© 2015 Neue Westfälische
13 - Löhne und Gohfeld, Dienstag 14. April 2015

Zurück