»Mike« Groschek zeigt klare Kante

von Gaby Arndt

SPD-Landesvorsitzender überzeugt Zuhörer bei politischem Frühstück in Löhne

c/o Philipp Bülter

 

Löhne(LZ). Frei in der Rede, inhaltlich pointiert sowie überraschend offen und selbstkritisch: Michael Groschek, SPD-Landesvorsitzender in Nordrhein-Westfalen, hat gestern in Löhne mit Kollegen aus Bund und Land sowie der Parteibasis über Fehler der SPD, notwendige Lehren der Wahlniederlagen und seine persönliche Zukunft gesprochen.

Der gebürtige Oberhausener, Spitzname »Mike«, nahm im mit etwa 100 Zuhörern gut gefüllten Alten Wartesaal des Löhner Bahnhofs unter anderem an einem Podiumsgespräch zum Thema »Die politische Situation der SPD in Bund, Land und Ort« teil. Mit ihm diskutierten Stefan Schwartze (Bundestagsmitglied und Regionalvorsitzender), Angela Lück (Mitglied des Landtags), Löhnes Bürgermeister Bernd Poggemöller und Egon Schewe, der dem SPD-Stadtverband vorsteht.

Seine Erwartungen an die Veranstaltung hatte SPD-Mitglied Wolf Brünner, Ortsverein Mennighüffen, zuvor klar umrissen. »Es waren schwere letzte Jahre für die SPD. Wir wollen bei Treffen wie diesem Antworten zu dringenden Fragen erhalten«, sagte er.

Ralf Jaworski, ebenfalls SPD-Mitglied, interessierte insbesondere das Thema Digitalisierung. »Man hört immer viel über die Verwendung von Robotern, aber welche Änderungen ergeben sich für die Menschen?«, fragte er. Groschek betonte, man solle sich nicht vom »Schein der absoluten Freiheit« blenden lassen. Die Digitalisierung rufe auch Gefahren hervor. Groschek sprach über das Unternehmen Uber, das online Dienste zur Personenbeförderung vermittelt. »Die Menschen, die dort fahren, sind nicht frei, sondern werden ausgebeutet.« Das ist Groschek wichtig

Im Zuge eines halbstündigen Redebeitrags – Groschek sprach frei ohne Notizen – erhielt der SPD-Landesvorsitzende zuvor für seine Ausführungen immer wieder Applaus. Der gebürtige Oberhausener nannte »drei große Baustellen«, mit denen die SPD in der Vergangenheit unzureichend umgegangen sei. Demnach habe man »die Basis im Bildungsbereich verloren«. Außerdem sei seine Partei in NRW nicht passend mit den Problemen in der Infrastruktur verfahren. Michael Groschek: »Die Menschen haben irgendwann den Zustand der Straßen Nordrhein-Westfalens mit dem Zustand des gesamten Landes gleichgestellt.«

Weitergehend sei auch bei der Inneren Sicherheit »nicht alles in Butter.« Weil US-Präsident Donald Trump »einen Handelskrieg führt, zahlen auch Arbeitnehmer in Ostwestfalen-Lippe die Zeche«, sagte Groschek. Bezüglich des Mindestlohns müsse die SPD »mehr Haltung zeigen. Wir müssen wieder die Partei der Arbeit sein«, betonte er: »Es kann nicht sein, dass Menschen im Alter aufgrund einer kleinen Rente in die Armut abrutschen.« Auch in der Asylfrage positionierte sich der Landeschef der Sozialdemokraten: »Das Recht auf Asyl darf nicht angetastet werden. Aber es gibt auch Menschen, die kein Recht auf Asyl haben. Wenn wir nicht für rechtliche Konsequenzen sorgen, dann sorgen andere für rechte Konsequenzen«, sagte Groschek und erhielt breite Zustimmung.

Dass er selbst vom 23. Juni an voraussichtlich von Sebastian Hartmann beerbt wird und damit nur noch etwa sechseinhalb Wochen SPD-Landeschef ist, stört Groschek offenbar nicht: »Ich bin 61 Jahre alt, fühle mich zwar nicht klapprig, wollte aber immer den Übergang organisieren. Ich klebe nicht an meinem Posten. Wir müssen als Partei auch personell neue Angebote machen.«

Im Zuge einer Podiumsdiskussion, an deren Ende auch die Zuhörer im Alten Wartesaal Fragen stellten, nahmen die Politiker zu Themen wie Globalisierung, Handelspolitik und Infrastruktur Stellung. Bernd Poggemöller warnte vor wachsender Jugendarbeitslosigkeit, auch in Löhne und Umgebung: »Bei uns hängen viele Arbeitsplätze vom Export ab, da müssen wir aufpassen.« Auch bei der Bildung blicke Deutschland immer noch neidisch in den europäischen Norden.

Michael Groschek lobte Günter Willig und den Verein Löhne umsteigen: »Ihr zeigt, wie ehrenamtliches Engagement geht«. Einig waren sich die SPD-Vertreter, dass die Partei »Botschaften wieder besser rüberbekommen muss«, wie Angela Lück formulierte. »Wir müssen viel deutlicher Flagge zeigen«, sagte Stefan Schwartze.

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