Lokaljournalistin für einen Tag

von Gaby Arndt

SPD-Landtagsabgeordnete Angela Lück besucht die BÜNDER ZEITUNG

Bünde(BZ). Für Angela Lück beginnt dieser Arbeitstag um 9.30 Uhr. Nicht in ihrem Büro im Düsseldorfer Landtag, sondern in der Redaktion der BÜNDER ZEITUNG. Die 56-Jährige hospitiert für einen Tag, bekommt Einblicke in die Arbeit von Lokaljournalisten.

Sie ist bei der morgendlichen Konferenz dabei, verfolgt aufmerksam Blattkritik und Konkurrenzvergleich, sie stellt Fragen zu Arbeitsabläufen und Arbeitstechniken. Und begleitet Redakteur Daniel Salmon zu einem Termin im Erich-Gutenberg-Kolleg. Dort führt der Sozialdienst katholischer Frauen gemeinsam mit der Sparkasse das Präventionsangebot »Über Geld redet man doch« durch. Schüler und Referenten staunen nicht schlecht, als die SPD-Politikerin selbst zu Block und Stift greift und die Jugendlichen zum Thema Schulden interviewt.

Und am Ende des Tages sagt sie: »Eigentlich sind Journalisten zu beneiden. Sie sind immer dort, wo etwas geschieht. Immer mittendrin und nahe am Menschen. Ein spannender Tag, da braucht man Flexibilität und Improvisationstalent, wenn sich im Laufe des Tages Unvorhergesehenes ergibt.«

Die Sozialdemokratin, seit 2010 im Landtag, arbeitet im Ausschuss für Arbeit, Gesundheit und Soziales mit. Von daher hat sie nicht zuletzt die Arbeitsbedingungen von Menschen im Blick. Und hat deshalb schon tageweise in viele Berufsfelder hinein geschnuppert. Sie war im Lukas-Krankenhaus und hat in einem ambulanten Pflegedienst einen Tag mitgearbeitet. Sie hat Finanzbeamten über die Schulter geschaut und für einem Ein-Mann-Malerbetrieb in Löhne ein Treppenhaus gestrichen. In der Fleischwarenfabrik Hellmann in Westkilver verpackte sie Braten und Schnitzel. Mit den Männern der Feuerwache Bünde war sie bei Einsätzen dabei und informierte sich in einer Kindertagesstätte in Spenge über die Arbeitsbedingungen von Erzieherinnen.

Warum das alles, und das außerhalb von Wahlkampfzeiten? Angela Lück muss nicht lange überlegen: »Ich will wissen, unter welchen Bedingungen die Menschen arbeiten, was sie bewegt und was sie von der Politik erwarten. Am Arbeitsplatz ergeben sich lockere Gespräche. Und da erfährt man sehr viel mehr als beim Aktenstudium, am Infostand oder in Parlamentsdebatten. Das sind alles Erfahrungen, die ich nicht missen will und die mir bei meiner politischen Arbeit von großem Nutzen sein können.«

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