Lob für Diskussionsbereitschaft

von Katharina Brand-Parteck

NRW-Arbeitsminister spricht mit Schülern über das Jobangebot

Foto: Westfalen-Blatt
 

Löhne(LZ). Hohen Besuch haben gestern die Schüler des August-Griese-Berufskollegs erhalten. Zum Auftakt des Tages der Ausbildung erschien Rainer Schmeltzer, Nordrhein-Westfalens Minister für Arbeit, Integration und Soziales in der Einrichtung an der Jahnstraße. Er sprach mit den jungen Leuten über Rahmenbedingungen ihres Einstiegs in das Berufsleben.

Rosig seien die Aussichten seit längerem nicht in Löhne und im Kreis Herford für Jugendliche, wenn es um berufliche Chancen gehe, sagte SPD-Bundestagsabgeordneter Stefan Schwartze zu Beginn der etwa zweistündigen Diskussion. Laut bundesweiten Statistiken habe Löhne dabei dreimal hintereinander auf hinteren Rängen gelegen. Ein Umstand, der nun auch Rainer Schmeltzer nach Ostwestfalen führte: Am Berufskolleg ließ er sich dabei nicht nur über die Ausbildungsberufe der Jugendlichen berichten. Was aus ihrer Sicht bei der Berufsorientierung zu verbessern sei, diskutierten die jungen Erwachsenen mit Schmeltzer genauso wie ihre Situation als Lehrlinge in Ausbildungsbetrieben.

Als die Jugendlichen beschrieben, wie sie ihre Berufe gewählt haben, wurde den politisch Verantwortlichen klar, wo den jungen Leuten der Schuh drückt: Nicht nur bei schulbegleitenden Berufspraktika gingen die Erfahrungen der Berufseinsteiger von »wirklich gut« bis »nicht vorhanden« weit auseinander. Auch das Elternhaus oder der eigene Freundes- und Bekanntenkreis spielte für viele bei der Wahl eines Berufsweges eine wichtigere Rolle, als der Besuch von Ausbildungsmessen oder etwa der Agentur für Arbeit.

Grundsätzlich sollte es für jeden Schüler die Möglichkeit geben, unabhängig von der besuchten Schule, »mindestens in drei unterschiedlichen Sparten, wie Handwerk, Industrie oder Dienstleistungen ein Berufspraktikum zu absolvieren«, bekräftigte Schmeltzer. Nordrhein-Westfalen sei das Bundesland, welches »bei der Vielfalt der Berufe am meisten zu bieten hat«. Unter 328 Ausbildungsberufen könnten junge Leute wählen. »Unsere Duale Ausbildung hierzulande ist dabei ein Riesenpfund, das es im Ausland so nicht gibt«, betonte der Minister

Doch oft gebe es nicht nur ein »Missverhältnis zwischen angebotenen Stellen und Nachfragen«. Das gelte vor allem dann, wenn Berufskollegs einer Region junge Menschen in Berufen ausbildeten, nach denen Unternehmen in ganz anderen Orten dringend suchten und umgekehrt. Berufszweige seien nicht bekannt, oder es gebe Vorbehalte, weil diese nicht als zukunftsfähig gelten würden. Das gelte es abzubauen. »Doch grundsätzlich«, meinte Schmeltzer über den Erfolg oder Mißerfolg der Jugendlichen bei ihrer persönlichen Berufsorientierung, »steht und fällt die Situation mit allen handelnden Personen.« Das gelte neben ihrer eigenen Initiative genauso für fehlende Chancen zum Praktikum durch eine Schule oder für Arbeiten als Lakai des Chefs in einem Ausbildungsbetrieb. »Wir brauchen mehr Facharbeiter denn je«, betonte der Minister. »Klar gibt es Betriebe, die viele Mini-Jobber und Leiharbeiter beschäftigen, aber es gibt auch viele, die ernsthaft ausbilden und so ihren Nachwuchs für die Zukunft gewinnen«, sagte er weiter. Die jungen Erwachsenen forderte er auf, Missstände in ihren Betrieben anzusprechen. Am Ende lobte Schmeltzer die »offene Diskussionsbereitschaft« der Schüler des Berufskollegs. »Das wichtigste sind Informationen vor Ort«, betonte er an die jungen Leute gerichtet: »Ihre persönlichen Erfahrungen nehme ich mit für meine weitere politische Arbeit.«

Weitere Anlaufstation für Schmeltzer und seine Begleiter war das Unternehmen A+F Automation + Fördertechnik in Kirchlengern, danach stand eine abschließende Diskussionsrunde in Herford auf dem Programm, unter anderem mit Vertretern der IHK, der Kreishandwerkerschaft und der Agentur für Arbeit.

 

Westfalen-Blatt Löhne, 25.10.16

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