Juden und Muslime streben Appell an

von Gaby Arndt

Foto Stephan Rechlin, Westfalen-Blatt

Von Stephan Rechlin

Herford. Die jüdische Gemeinde Herford-Detmold strebt einen gemeinsamen Friedensappell mit muslimischen Gemeinden nach dem Vorbild Hannovers an. Die Gemeinden wollen damit auf die massiv hervorbrechende Gewalt im Heiligen Land und die in deutschen Städten aufflammenden Demonstrationen reagieren.

In dem Hannoveraner Appell erinnern Juden, Palästinenser und Muslime in Niedersachsen daran, dass sich aus dem demokratischen Recht der Meinungsfreiheit die Pflicht zur Meinungsäußerung bei respektvollem Umgang miteinander ergebe. „Antisemitismus, Islamfeindlichkeit und Palästinenserhass haben keinen Platz in unserer Gesellschaft,“ heißt es in dem Appell. Auch seien das Beleidigen oder Diffamieren von religiösen oder staatlichen Symbolen bis hin zu Fahnenverbrennungen oder gar Angriffen auf Synagogen, Kirchen oder Moscheen unvertretbar und würden nicht toleriert. Die Vertreter riefen den Staat dazu auf, in solchen Fällen alle rechtsstaatlichen Mittel einzusetzen und Vergehen mit ganzer Härte zu bestrafen.

Diesen Beistand sicherten die SPD-Abgeordneten Stefan Schwartze (Bundestag) sowie Angela Lück und Christian Dahm (Landtag) bei einem Besuch in der Synagoge an der Komturstraße zu. Sie seien sich den Anfeindungen der Gemeinde in E-Mails und sozialen Medien bewusst, auch wenn Gemeindevorstand Prof. Matitjahu Kellig nicht über Einzelheiten dazu sprechen möchte.

Zu der Zielsetzung und über einzelne Formulierungen der Herforder Erklärung werde derzeit noch telefonisch verhandelt, Kellig: „Das ist ein schwieriger Prozess, der sich noch etwas hinziehen wird.“ Er wolle weder Vorwürfe erheben noch Forderungen stellen, sondern deeskalierend wirken: „Die jüdische Gemeinde kommt in Herford und Detmold auf nicht einmal 0,01 Prozent der Bevölkerung. Weltweit fällt die Quote noch geringer aus. Müssen vor der Synagoge solch einer verschwindend kleinen Gemeinde wirklich drei Polizeiautos stehen?“

Stefan Schwartze möchte Straftaten und Grundgesetz-Verstöße nicht von der Größe einer Gemeinde abhängig machen: „Volksverhetzung in E-Mails und persönlichen Äußerungen muss ebenso zur Straftat werden wie in öffentlichen Äußerungen.“ Christian Dahm pflichtet dem Vorschlag des NRW-Ministerpräsidenten bei und fordert ein Verbot der Hamas-Fahne. Angela Lück appelliert an die Vernunft und fordert zum „Aufstand der Anständigen“ auf.

 

Westfalen-Blatt vom 26.05.2021

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