-Inklusion, Integration, Berufsorientierung- Berufsalltag einer Schulleitung

von Gaby Arndt

Erich-Kästner-Gesamtschule gut aufgestellt für ein integratives Leben

Kirchlengern. Kirchlengerns Erich-Kästner-Gesamtschule bekam Besuch von der Landtagsabgeordneten Angela Lück. Schon im Eingangsbereich zeigt sich die Schule als offen und kreativ.

 

Im Gespräch mit der Schulleiterin Antje Stuke erkundigte sich die Landtagsabgeordnete nach den Erfahrungen im Umgang mit integrativen Klassen. Da der Landtag in diesem Jahr, das derzeit in Beratung befindliche Inklusionsstärkungsgesetz verabschieden möchte, lag es auf der Hand, dass das Thema Inklusion das Eingangsstatement wird. „Die Gesetzesänderung wird von Jugendhilfe und Behindertenverbände als längst überfällig begrüßt“, so Lück. Das neue Gesetz wird sich insbesondere im Kinderbildungs- und im Schulgesetz auswirken. „Wie sich diese Novellierung in der Praxis umsetzen lässt, müssen wir erst einmal leben und erleben, und dann neu bewerten.“, gab Angela Lück zu bedenken.

Gemeinsamer Unterricht ist für die Erich-Kästner-Gesamtschule gelebter Alltag. Die Verbundschulen befinden sich in Bünde und Kirchlengern. Bünde startete bisher pro Schuljahr mit fünf Klassen und Kirchlengern mit drei Klassen.

Seit 2005 gibt es in der Sekundarstufe 1 in Bünde eine inklusive Klasse, seit drei Jahren auch in Kirchlengern. Unterstützt von drei Sozialpädagogen findet der Unterricht gemeinsam mit behinderten und nicht behinderten Kindern statt. „Damit der Schultag normal verlaufen kann, braucht es eine gute Zusammenarbeit von Lehrkräften und Sozialpädagogen und eine Vorlaufzeit von einem Jahr. Das bedeutet, dass jemand der neu ins Team kommt eine entsprechende Einarbeitungsphase braucht um einen normalen Rhythmus zu entwickeln.“, gab Antje Stuke zu bedenken. Wichtig für Kinder mit sonderpädagogischen Förderbedarf sind auch die außerschulischen erlebnispädagogischen Veranstaltungen in Kooperation mit der Förderschule. Ingo Kuhlmann ist in Kirchlengern der Initiator. Schüler der Eickhoff-Schule übernehmen das Training für eine Wildwasserfahrt, die mit den behinderten Kindern anfangs in der Schwimmhalle und anschließend auf der Werre stattfindet. Abschluss ist eine Wildwassertour in Frankreich. „Diese Maßnahmen unterstützen und bauen Aggressionen ab. Sie wirken sich positiv auf den Unterricht aus, und schaffen auch eine Anerkennung der anderen Schüler.“, so Ingo Kuhlmann.

Die Lehrerin Esther Gedamke und der Sozialpädagoge Ingo Kuhlmann schilderten ihre Aufgaben als unterstützend und deeskalierend, eine komfortable Situation für Schüler und Lehrer.

 

„Gibt es auch Flüchtlinge in dieser Schule?“, erkundigte sich Angela Lück.

Gedamke berichtete, dass 12 Kinder aus Flüchtlingsfamilien unterschiedlichster Nationalitäten in der Erich-Kästner-Gesamtschule unterrichtet werden. „Die Schüler und Schülerinnen sind im Alter von 12-16 Jahren. Sie werden zunächst in Deutsch als Fremdsprache unterrichtet und nach einer Eingewöhnungsphase je nach Fähigkeit in die entsprechende Klasse integriert. Einige dieser Kinder bringen ausgezeichnete Englischkenntnisse mit, alle sind unheimlich motiviert.“

Bei der Vorstellung der Projekte durch die Schülerinnen und Schüler der Gesamtschule lernte Angela Lück gleich drei Flüchtlingskinder kennen, die bereits nach acht Monaten über sehr gute Deutschkenntnisse verfügen.

Mit großem Engagement stellten die Projektleiter der Reit-AG, der neun Bienenvölker, das -Fördern und Fordern-DELF-Zertifikat (ein international anerkanntes Zertifikat für Französisch), der Filmgruppe „Je suis Paris“ sowie die Streitschlichter (9. und 10.Jahrgang) für die Neuzugänge bis zur 6. Klasse und „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ ihre Arbeit in den Arbeitsgruppen vor. Viel Wissen und Spaß um und für ihr Projekt war bei allen Schülern zu spüren.

 

Ein wichtiges Thema war Lück das landesweite Projekt „kein Abschluss – ohne Anschluss“ (kAoA). Die Landesregierung unterstützt hier in besonderer Weise Schulen, damit ein Durchstarten nach der Schule in den Beruf oder ins Studium gelingt. Alle Schülerinnen und Schüler in NRW sollen nach der Schule wissen, wo es langgeht! Eltern, Lehrer und Berufsberater werden in den Prozess miteingebunden, damit jede und jeder seinen eigenen Weg gehen kann und den Beruf findet, der zu ihr bzw. ihm passt. Schulleitern Stuke zeigte auf, wie die Schülerinnen und Schüler an das Projekt herangeführt und anschließend begleitet werden. Ein starker Partner ist für Kirchlengern dabei das heimische Familienunternehmen Hettich. Hier können die Jugendlichen sich in vielen Berufen versuchen, vom Handwerker, Techniker, Ingenieur, Betriebswirt oder in den Arbeitsbereichen der Verwaltung. „Da sind Sie hier sehr gut aufgestellt“, freute sich Angela Lück. „Wir geben für „kAoA“ eine Menge Geld aus und möchten, dass es gelingt.“ Jugendliche und junge Erwachsene brauchen Rückendeckung, auch wenn der erste Schritt ins Studium oder in den Beruf nicht sofort funktioniert, sind eine gezielte Beratung und konkrete Angebote zu jeder Zeit nötig und möglich.

 

Der Abschluss eines spannenden Vormittags wurde gekrönt mit der Teilnahme an einer Biologiestunde der 6. Klasse, eine integrative Klasse. Thema war –Was fressen Eulen?-. Dazu gab es eine Schale mit Pinzette, einen Pinsel, zwei Zettel, Handschuhe und jeweils ein Gewölle. Ein Gewölle, das wurde zunächst im Unterricht erarbeitet, sind ausgewürgte, unverdauliche Nahrungsreste. Aufgabe war, findet heraus, welche Tiere zu den Skeletten gehören, dazu gab es eine entsprechende Handreichung. Die Schüler und Schülerinnen arbeiteten in Gruppen sehr konzentriert zusammen und fanden neben unangenehmen Gerüchen allerlei Kleintierknochen, die sie zuordnen mussten. Der Sozialpädagoge Ingo Kuhlmann begleitete die Unterrichtsstunde. Lück war beeindruckt, wie gut die Kinder mit Behinderungen im Ablauf der Biologiestunde eingebunden waren. „Ohne Hinweis hätte ich deutlich länger gebraucht, um herauszufinden, wer hier einen größeren Förderbedarf hat.“, gab sie erstaunt zu.

 

Ein schöner Abschluss für einen lehrreichen Tag. Die Einladung der Schulleiterin die Erich-Kästner-Gesamtschule in Bünde zu besuchen nahm Angela Lück gerne an.

 

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