In Wirklichkeit hoch rentabel

von Elena Strehle

c/o Katharina Brand-Parteck

Von Lothar Schmalen

Bad Oeynhausen. Die Betriebsräte und Mitarbeiter der NRW-Westspiel GmbH haben die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass sie den Plan der schwarz-gelben Landesregierung, die zur Westspiel gehörenden Spielbanken an einen privaten Glücksspielbetreiber zu verkaufen, vereiteln können. Bei einem Besuch des neuen Vorsitzenden der Düsseldorfer SPD-Landtagsfraktion, Thomas Kutschaty, machten Christiane Beckemeyer, Betriebsratsvorsitzende der Spielbank Bad Oeynhausen, und der Westspiel-Gesamtbetriebsratsvorsitzende Jens Hashagen ihre Kampfbereitschaft deutlich.

"Wir haben über die Medien erfahren, dass die Landesregierung uns verkaufen will. Es wird behauptet, die Spielbanken bescherten dem Land als Eigentümer Millionen-Defizite. Dabei ist das Gegenteil der Fall", so Hashagen. Beispiel: Spielbank Bad Oeynhausen. Sie hat ein besonders erfolgreiches Geschäftsjahr 2017 hinter sich, konnte den Bruttospielertrag um eine Million auf 9,2 Millionen Euro steigern und verbesserte sich beim Betriebsergebnis von minus 1,3 Millionen in 2016 auf nur noch minus 77.000 Euro in 2017. Die Verbesserung führt Spielbankdirektor Joachim Pollok (61) vor allem auf die Attraktivität des Oeynhausener Casinos zurück. Die Zahl der Besucher konnte 2017 von 81.000 auf 94.000 gesteigert werden.

Dass das Betriebsergebnis überhaupt im Minus liegt, hat mit der hohen Spielbankabgabe zu tun, die die Oeynhausener wie alle anderen NRW-Spielbanken an das Land abführen müssen. Es sind 45 Prozent des Spielertrags, also waren es 2017 4,5 Millionen Euro. Da aber sowohl die Spielbankabgabe als auch das Defizit beim Eigentümer Land NRW landen, hat die Spielbank Bad Oeynhausen in Wirklichkeit dem Land etwas mehr als 4,4 Millionen Euro in die Kasse gespült. Immerhin eine Million davon fließt an die Stadt Bad Oeynhausen, die also ebenso von dem rentablen Spielbankgeschäft profitiert. Und in diesem Jahr könnte die Landeskasse sogar noch lauter klingeln. Nach Angaben von Direktor Joachim Pollok rechnet die Spielbank im Werrepark 2018 mit einem Bruttospielertrag von 10,6 Millionen Euro und einem deutlich positiven Betriebsergebnis. "Was die Wirtschaftlichkeit anbelangt, sind wir unter den NRW-Spielbanken nach Duisburg die Nummer zwei", so Pollok.

Eine ähnliche Rechnung kann man für die gesamte Westspiel GmbH (insgesamt 1.000 Mitarbeiter) aufmachen. Zwar stieg der Jahresfehlbetrag aller sechs Spielbanken der Westspiel von 2,9 Millionen Euro im Jahr 2016 auf 7,6 Millionen Euro in 2017, doch kassierte das Land in beiden Jahren jeweils 40 Millionen Euro an Spielbankenabgabe. Also auch hier bleibt unter dem Strich eine satte Rendite. Neben den Standortkommunen profitiert vor allem die Landesstiftung Wohlfahrtspflege von dem rentablen Geschäft mit dem Glücksspielen.

Es gebe eigentlich keinen Grund, die Spielbanken zu privatisieren - darin sind sich die SPD-Landtagsfraktion und die Mitarbeitervertreter einig. Sie sehen vor allem in der FDP mit ihrer "Privat vor Staat"-Ideologie die treibende Kraft bei den NRW-Privatisierungsplänen. Michael Jütte, Spielsuchtbeauftragter der Westspiel, sprach gar von der Pflicht des Landes NRW, die Spielbanken zu behalten. Nur so sei garantiert, dass in den Spielbanken weiter gegen Spielsucht vorgegangen werde. Zurzeit hat die Spielbank in Oeynhausen insgesamt 280 Spieler wegen des Verdachts auf Spielsucht gesperrt. Und diese Sperre gilt für alle Spielbanken in Deutschland.

"Soll doch Ministerpräsident Laschet uns mal besuchen. Dann erklären wir ihm, warum ein verkauf wirklich nicht sinnvoll ist", sagte Thomas Bergmann, Spielerschutzbeauftragter der Spielbank Bad Oeynhausen.

Weiterlesen: Neue Westfälische vom 09.08.2018

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