Ihre letzte Abstimmung

von Gaby Arndt

c/o Ulf Hanke / NW
Von Stefan Boscher
 
In Nordrhein-Westfalen wird ein neuer Landtag gewählt.
Damit endet für Angela Lück ihre Abgeordnetenzeit. Heute wird sie zum letzten Mal ihre Stimme abgeben.

 

Löhne/Düsseldorf. Einmal ist Schluss. Sie kann die Tage schon zählen, an denen sie sich noch „Frau Abgeordnete“ nennen darf. Wenn am Abend des 15. Mai die Wahllokale schließen, kann es Angela Lück zum ersten Mal seit Jahren ruhig angehen lassen. Ihr Name steht dieses Mal nicht auf dem Stimmzettel. Sie will nicht wiedergewählt werden in den nordrhein-westfälischen Landtag.

Angela Lück ist schon dabei, ihre Sachen zu packen. „In zwölf Jahren ist doch so einiges zusammengekommen“, sagt die SPD-Abgeordnete aus Löhne beim Gespräch mit der Neuen Westfälischen in ihrem Büro im Düsseldorfer Landtag. Bücher werden aussortiert, Erinnerungsstücke noch einmal in die Hand genommen, vieles macht Lück nun zum letzten Mal. Ihren letzten großen Auftritt vor dem gesamten Landtag hatte Lück bereits vor rund zwei Wochen. Das Thema Pflege stand im Mittelpunkt ihrer Abschiedsrede vor den anderen Abgeordneten.

Damit schließt sich auch bildlich gesprochen ein Kreis. Denn Pflege war eines der Herzensthemen der gelernten Krankenschwester, die in den vergangenen Jahren den Wahlkreis 91 mit den Städten Bünde, Löhne, Spenge und den Gemeinden Kirchlengern und Rödinghausen im Landtag vertreten hat.

„Die Zeit war schön“, sagt Lück rückblickend. Aber auch herausfordernd. Denn als Abgeordnete hat Lück zwei Arbeitsstellen: Eine im Wahlkreis Zuhause, eine in Düsseldorf. Vor allem in Sitzungswochen macht sich die Belastung bemerkbar. Tagt der Landtag, dauert eine Sitzung nicht selten bis in die späten Abendstunden, „wir haben auch schon mal in den Geburtstag einer Kollegin reingefeiert“, erinnert sich die SPD-Politikerin an eine Sitzung, die erst weit nach Mitternacht ihr Ende fand.

Heute wird es nicht so lange dauern, da ist sich Lück sicher. Heute tagt der Landtag zum letzten Mal in dieser Legislaturperiode. „Da will niemand bis in die Nacht hier sein“, glaubt Lück. Das letzte Mal ihre Stimme abgeben wird Lück zu einem Antrag, den CDU und FDP gestellt haben: „Heimat. Zukunft. Nordrhein-Westfalen“.

Wenn die Abgeordneten das nächste Mal in diesem Gremium zusammenkommen, ist das Anfang Juni. Dann in neuer Besetzung. Manche Kollegen gehen freiwillig, andere werden abgewählt, wieder anderen schenken die Wähler noch einmal das Vertrauen. Auch auf die zukünftige Landesregierung hat die Wahl Einfluss: Bleibt die CDU stärkste Kraft? Oder erhält die SPD den Regierungsauftrag?

Wenn es nach SPD-Frau Lück geht, ist klar, was passiert. Sie selbst wird die Wahl natürlich verfolgen – nur, dass das Ergebnis dieses Mal keine Auswirkungen auf sie persönlich hat.

Was bleibt? Unter anderem die Erinnerung an ihre kürzeste Rede. Die verdeutlicht Lücks generelle Meinung zur AfD, deren Politiker seit 2017 erstmals im Landtag vertreten sind. Die Rede bestand nur aus zwei Sätzen. „Kurze Rede, langer Sinn: Die SPD-Fraktion lehnt den vorliegenden Antrag ab. Danke schön.“ Hintergrund war der Vorstoß der AfD, die strengen Corona-Auflagen zu Beginn der Pandemie und die Ausrufung der sogenannten „Epidemische Lage von nationaler Tragweite“ rückgängig zu machen.

Wehmut? „Na klar, ein bisschen schon“, gibt Lück unumwunden zu. Dafür sei sie zu lange und zu gerne Politikerin gewesen. Sogar die ein oder andere Freundschaft ist in dieser Zeit entstanden, die will sie auch in Zukunft pflegen. Aber Angela Lück freut sich auch auf die neue Freiheit, die sie ab Anfang Juni haben wird. Mehr Zeit für Reisen und für die Enkelkinder.

Und bis dahin? Heißt es Abschied nehmen von ihren Mitarbeitern, von den Abgeordnetenkollegen, vom Alltag als Berufspolitikerin und auch von all den Dingen, die sie bisher im Alltag begleitet haben.

Diese Dinge werden entweder aussortiert und landen im Müll, werden weitergeben an Kollegen oder landen in einer der Kisten, die im Landtagsbüro von Angela Lück stehen. In einer dieser Kisten wird auch das Erinnerungsstück landen, das neben ihrer Bürotür hängt. Es zeigt einen Vogel auf einem See.

 

Weiterlesen in der Neuen Westfälischen vom 07.04.2022

Zurück