Große Spende mit hartem Job

von Elena Strehle

Eine Dreiviertelstunde als Kassiererin: Die SPD-Landtagsabgeordnete Angela Lück blickte im Bünder Marktkauf hinter die Kulissen und arbeitete eine Dreiviertelstunde als Kassiererin zugunsten der Palliativstation

c/o Gerald Dunkel
 

Von Gerald Dunkel

Bünde. Ihre sogenannten "Tatkrafttage" hält Angela Lück ab, seit sie Mitglied im Landtag ist. Dabei war die gelernte Krankenschwester auch schon in ihrem ursprünglichen Beruf für einen Tag wieder tätig. Der Gedankenaustausch mit Arbeitskräften, ein Blick auf Arbeitsbedingungen und letztlich auch die Sicht auf die Auswirkungen auf die Region stehen dabei bei ihr im Mittelpunkt. In Bündes größtem Verbrauchermarkt sah sie eigenen Worten nach gestern viel Gutes. Mit einer besonderen Aktion profitierte davon auch die Palliativstation des Lukas-Krankenhauses.

"Die Verbrauchermärkte sind Einrichtungen in unserem Leben, die wir alle nutzen, über deren Vorgänge hinter den Kulissen wir uns aber nur selten Gedanken machen", so Angela Lück. Wie steht es aber um den Energieverbrauch eines solchen Betriebs und dem Bestreben, diesen zu senken? Wie funktioniert besonders beim Obst und Gemüse die Zusammenarbeit mit den regionalen Erzeugern? Wie zufrieden sind die Mitarbeiter? Derlei Fragen ging Angela Lück auf den Grund.

190 Menschen arbeiten fest angestellt im Marktkauf Bünde. Elf davon sind Auszubildende in verschiedenen Berufssparten. Tino Becker ist der Chef im Marktkauf Bünde und kündigte der SPD-Abgeordneten bei einem Rundgang an, dass in wenigen Wochen umfangreichere Modernisierungen auf der 7.700 Quadratmeter großen Verkaufsflächen stattfinden werden. Aber mit Blick auf die Zufriedenheit seiner Mitarbeiter kann Becker stolz sein. "Die personelle Fluktuation ist hier im Marktkauf sehr gering", so Lück. So könne Marktleiter Tino Becker in Kürze Mitarbeiterehrungen für 40- und sogar 50-jährige Betriebszugehörigkeit vornehmen.

Gleich morgens um 7 Uhr sprach Angela Lück beispielsweise mit einem Gemüsebauern aus Werther, der gerade seine Waren lieferte. "Es gibt hier schon viele gute Ansätze", erklärte die Abgeordnete.

Doch sie war nicht ausschließlich zum Reden gekommen, sondern wollte auch anpacken. Marktleiter Tino Becker und Dirk Große-Wortmann, Geschäftsführer Marktkauf Minden-Hannover, erklärten sich bereit, den Umsatz, den Angela Lück binnen einer Dreiviertelstunde an einer Kasse als Kassiererin einnimmt, an den Förderverein des Lukas-Krankenhauses zu spenden, der das Geld wiederum in die Palliativstation investieren will. Und das hat sich gelohnt, denn nach 45 Minuten hat Angela Lück von 14 Kunden 1.442,14 Euro an Kasse 11 eingenommen. Überdurchschnittlich viel, wie Marktleiter Tino Becker der Landtagsabgeordneten attestierte.

Im Hintergrund halfen denn auch Mitglieder des Fördervereins Lukas-Krankenhaus um den 2. Vorsitzenden Jochen Simke mit, dass die Einnahmen möglichst hoch ausfallen. Geschickt lenkten sie Kunden mit umsatzstarken Waren und vollen Einkaufswagen zu Kasse 11 um. So ging denn auch ein Kühlschrank über den Kassen-Scanner von Angela Lück. Tino Becker schmunzelte und fand das völlig in Ordnung: "Wir haben das zugesagt und wir halten das auch ein."

Etwas verärgert war er allerdings über die Bemerkung in einer Szene eines Tatorts vor einigen Wochen. Darin machte ein Vater seiner pubertären Tochter Vorhaltungen und prophezeite ihr, an einer Supermarktkasse zu enden. "Eine Abwertung dieses Berufs sondergleichen", so Becker. "Man darf die Arbeit und die Leistung einer Kassiererin nicht unterschätzen. Der Job ist hart und mit einer hohen Verantwortung verbunden."

Das merkte auch Angela Lück, die nach ihrer Dreiviertelstunde an Kasse 11 kurz für die Scheckübergabe an den Förderverein des Lukas-Krankenhauses durchatmete und dann am Informationsschalter im Marktkauf weiter arbeitete.

Weiterlesen: Neue Westfälische vom 10.08.2018

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