Große Errungenschaft für die Demokratie

von Gaby Arndt

Ausstellung zu „100 Jahre Frauenwahlrecht“ im Foyer. Plakate und Aufrufe spiegeln den Zeitgeist wieder

c/o Sandra C Siegemund

Von Sandra C. Siegemund

Löhne. „Noch reichlich Luft nach oben“ ist laut Bürger­meister Bernd Poggemöller beim Anteil von Frauen in der lokalen und nationalen Politik. Im Rathausfoyer eröffnete er eine Plakatausstellung zum Thema „100 Jahre Wahlrecht für Frauen“. Auf Initiative der Gleichstellungsbeauftragten Monika Lüpke wurde die in drei Teile gegliederte Ausstel­lung ins Löhner Rathaus ge­holt. Sie hat einen auffälligen Platz bekommen. „Dort kann man nicht vorbei gehen, ohne einen Blick darauf zu werfen“, sagte Bernd Poggemöller.

Von den Anfängen des Wahlrechts für Frauen, die am 19. Januar1919 zum ersten Mal ihre politische Stimme für die Verfassunggebende Deutsche Nationalversammlung in Wei­mar abgeben durften, über die Nachkriegszeit bis zur Wende 1989/90 werden neben Infor­mationen zur jeweiligen Zeit verschiedene Wahlplakate und Aufrufe zur Wahl gezeigt. Ihre vielfältige Gestaltung verdeut­licht unterschiedliche politi­sche Sichtweisen. „Die Plakate spiegeln den jeweiligen Zeit­geist“, sagte Bernd Poggemöl-ler. Sie zeigen die damals vor­herrschenden Frauen- und Familienbilder. „Die Einführung des Wahlrechts war eine große Errungenschaft. Von der da­maligen Wahlbeteiligung von weit über 80 Prozent sind wir heute leider oft weit entfernt“, so der Bürgermeister. In der Aufbruchszeit der Demokratie wurden Frauen jedoch weniger politisch ernst genommen, sondern eher mit stereotypen Vorstellungen einer liebevol­len, friedliebenden und gläubi­gen deutschen Mutter ver­knüpft.

Schon 1933 fand das Frauenwahlrecht ein jähes Ende, denn die Nazis waren der Auffassung, Frauen gehörten nach Hause zur Familie statt an die Urne. Wahlplakate der Nachkriegszeit sprachen Frauen dann eher moralisch als trau­ernde Mütter und Hüterinnen des Friedens an. Auch in den folgenden Jahren und Jahr­zehnten wurden sie mehr als Frauen an der Seite eines Man­nes gesehen, weniger als eigen­ständige arbeitende Personen.

„Daran änderte sich bis zur Mitte der 1980er Jahre nicht viel“, so der Bürgermeister in seiner Ansprache.

In der Umbruchzeit der Wende trafen zwei unter­schiedliche politische Kulturen und Frauenbilder aufeinander. Während in Westdeutschland

Gleichberechtigung und Emanzipation vorangetrieben wurden, schien die Wiederver­einigung für ostdeutsche Frauen ein mögli­cher Rückschritt aus einer for­malen Gleichberechtigung zu sein.

„Auch heute beträgt die Frauenquote im Löhner Rat nur 20 Prozent. Im Bundestag sind es derzeit 30 Prozent. An­dere Länder sind weiter als Deutschland, beispielsweise in Skandinavien oder Frankreich. Dort muss man zu 50 Prozent Frauen auf den Wahllisten auf­stellen, sonst werden die Gel­der für den Wahlkampf ge­kürzt. Leider geht eine Erhö­hung der Quote wohl nur über Druck und Geld. Aber es wirkt. Hierzulande liegt noch eine Menge Weg vor uns. Wir rich­ten den Blick nach vorn“, so der Bürgermeister.

„Leider hat es noch nie ein Parlament ge­geben, in dem Frauen pari­tätisch ver­treten sind, auf keiner politischen Ebene“, bedauerte Monika Lüpke. „Der Frauenanteil geht nicht kontinuierlich nach oben, sondern derzeit eher wieder abwärts. Denn manche Parteien haben keine selbst verpflichtende Quote für die Listen, wie die SPD und die Grünen.“ Sie erläuterte, dass der Deutsche Frauenrat derzeit an einer Petition zur Parität arbeite.„Freiwilligkeit bewirkt leider keine Veränderung. Da hilft nur Druck. Der Staat ist laut Grundgesetz verpflichtet, etwas gegen strukturelle Dis­kriminierung zu tun. Und nie war die Chance, etwas zu ver­ändern, so groß wie jetzt“, be­tonte sie. Laut Angela Merkel sei die CDU mit einem Mitglie­deranteil von nur 25 Prozent keine repräsentative Volkspar­tei mehr, so die Gleichstellungsbeauftragte. „Parteien müssen sich verändern, um auch junge Menschen zu re­präsentieren“, sagte sie und er­klärte, dass die Stadt Löhne mit einem Mentoringprogramm mehr Frauen in die Politik ho­len möchte. Die von der Friedrich-Ebert-Stiftung erstellte und von der Arbeitsgemein­schaft kommunaler Gleichstel­lungsstellen im Kreis Herford nachgedruckte und mit Infor­mationen aus dem Kreis erwei­terte Plakatausstellung zeigt, wie Parteien und Vereinigun­gen im vergangenen Jahrhun­dert um die Stimmen der Frau­en geworben haben.

Die Ausstellung ist bis zum 12. Mai zu den Öffnungszeiten des Rathauses an der Oeyn-hausener Straße 41 montags bis freitags zwischen 8 und 12.30 Uhr sowie montags von 13.30 bis 16 Uhr und donnerstags von 13.30 bis 17.30 Uhr zu­gänglich.

 

Neue Westfälische vom 01.05.2019

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