Geschichten vom Leid der Verfolgung

von Elena Strehle

Jesidische Gemeinde OWL informiert in der Werretalhalle

c/o: Natalie Lydia Meyer

Von Natalie Lydia Meyer

Löhne. Angeregte Diskussionen, Vorträge und eine Fotoausstellung des Jesiden Aslan Kizilhan gab es am Donnerstagabend bei der Veranstaltung »Das Ezidentum für Anfänger*innen« im VHS-Forum in der Werretalhalle. Organisiert hat die Veranstaltung die ezidischen Gemeinde in Ostwestfalen-Lippe.

Während die ezidische Gemeinde sich selbst ohne »J« und mit »z« schreibt, ist in Deutschland die Schreibweise »Jesidentum« gängig. Das ist nur ein Beispiel für die verschiedenen Überlieferungen in der Geschichte des »Jesidentums«. Ein Grund dafür könnte sein, dass bis ins 20. Jahrhundert der Glaube der Jesiden ausschließlich auf mündlichen Überlieferungen, Bräuchen und Traditionen beruhte. Bis heute stehen die mündlichen Überlieferungen im Vordergrund der mehr als 4000 Jahre alten Religion, wie Besucher der Veranstaltung in der Werretalhalle erfuhren. Die Ursprünge der Religion liegen im Irak, in Nordsyrien und in der südöstlichen Türkei. Im Gegensatz zu anderen Religionsgemeinschaften kann man nicht zum Jesidentum konvertieren, sondern nur hineingeboren werden. Im Laufe der Geschichte des jesidischen Volkes wurde es immer wieder verfolgt und vertrieben. Es gab Vergewaltigungen und auch Morde. In der jüngsten Geschichte spielt der 3. August 2014 eine besondere Rolle: Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) überfiel das Hauptsiedlungsgebiet der Jesiden in Sindschar, auch Shingal genannt.

Aslan Kizilhan, Mitglied der »Gesellschaft Ezidischer AkademikerInnen«, ist seit den 1970er Jahren in Deutschland. Er war 2014 nach dem 74. Völkermord mit einer Delegation der »Gesellschaft Ezidischer AkademikerInnen« in die ezidische Stadt Shingal und Umgebung gereist, um humanitäre Hilfe zu organisieren und politische Perspektiven für die Minderheit mit zu entwickeln. Dabei entstanden die Fotos für die Ausstellung im VHS-Forum. Mit Titeln wie »Überall lauert Gefahr«, »Ihre Augen erzählen 74 Genozide« oder »Frauen und Männer holen verschmutztes Trinkwasser« erzählen die Fotos von Aslan Kizilhan  die Leidensgeschichte von der lebensbedrohlichen Situation der Jesiden im Nahen Osten.

Auch der Vortrag von Erdal Ekinci, der sich seit mehreren Jahren in der ezidischen Gemeinde engagiert, drehte sich um die Verfolgung der Jesiden. Allerdings ging es in dem Vortrag auch um die Grundlage der Religion und um die ezidische Gemeinde in Ostwestfalen. »Wir möchten Aufklärung über die Verfolgung betreiben und Flüchtlingen helfen, für ein gemeinsames friedliches Leben«, betonte Erdal Ekinci.

Die Verfolgung der Jesiden beschränke sich nicht nur auf den nahen Osten. In europäischen Städten, insbesondere in Asylheimen und Flüchtlingslagern, habe es Angriffe auf Jesiden gegeben.

Etwa 200.000 Jesiden leben in Deutschland. »Religion ist ein Teil der Persönlichkeit. Kein Mensch sollte aufgrund seiner Religion um sein Leben fürchten müssen«, betonte der Löhner Bürgermeister Bernd Poggemöller bei seiner Begrüßungsrede. Auch Angela Lück, SPD-Landtagsabgeordnete, sprach sich für ein friedliches Miteinander, Toleranz und Sicherheit aus. Im Anschluss des Vortrages gab es eine kurze Diskussion. Die Moderation übernahm Emin Özden, Mitglied der »Gesellschaft Ezidischer AkademikerInnen«. »Es ist immer besser, miteinander zu reden, als gegeneinander zu handeln«, sagte Erdal Ekinci und lud gleichzeitig alle zur Eröffnung eines ezidischen Grabfeldes in Herford auf dem Friedhof »Zum Ewigen Frieden« am Samstag, 15. Juni, ein. Beginn ist um 13 Uhr. Beim Fußballturnier Cup der Kulturen in Herford nimmt die ezidische Gemeinde auch teil. Der Cup der Kulturen wird am Sonntag, 7. Juli, von 10 Uhr an im Ludwig-Jahn-Stadion Herford veranstaltet.

Westfalen-Blatt vom 04.05.2019

Zurück