Frieden ist nicht selbstverständlich

von Gaby Arndt

Vereinsring Dehme erinnert beim Tag der Deutschen Einheit an Mauerfall vor 30 Jahren

c/o Silas Ekelhoff

Bad Oeynhausen-Dehme(WB). Der Fall der Mauer ist in diesem Jahr bereits zum 30. Mal gefeiert worden. Um daran und den anschließenden Prozess der Wiedervereinigung Deutschlands zu erinnern, veranstaltete der Vereinsring Dehme an dem historischen Glockenturm erneut eine Gedenkveranstaltung.

Die Veranstaltung findet seit 1989 jährlich an der Dehmer Straße statt. Mit 30 Glockenschlägen eröffnete Joachim Huß das Fest, und jeder Schlag stand dabei für ein vergangenes Jahr seit dem Fall der Mauer. Über zahlreiche Besucher in diesem Jahr freute sich der erste Vorsitzende des Vereinsrings Dehme, Wilhelm Nolting.

Zu Gast war diesmal auch die SPD-Landtagsabgeordnete Angela Lück. »Ich habe mich sehr über die Einladung gefreut, und es war für mich noch mal eine gute Gelegenheit zurückzuschauen«, sagte die in Löhne lebende Politikerin.

In ihrer Rede erinnerte sie sich dabei vor allem an die Schwierigkeit vor dem Fall der Mauer, Angehörige in der DDR zu besuchen, und die großen Unterschiede der Lebensverhältnisse zwischen Ost und West. »Die Menschen im Westen konnten viele Länder bereisen, frei über ihre Berufswahl entscheiden und laut ihre Meinung äußern. Die Menschen im Osten konnten all das nicht und flüsterten hinter vorgehaltener Hand, dass sie nicht dort leben wollten«, sagte Angela Lück.

Die deutsch-deutsche Einheit verknüpfe sie mit den Werten Frieden und Freiheit und freue sich über die neuen Möglichkeiten, die ein geeintes Deutschland nach wie vor mit sich bringe. Jedoch zeigte sie sich auch besorgt, da etwa die Zustimmung zur Europäischen Union (EU) seit Jahren sinke. »Wir brauchen unsere Freunde und Partner in der europäischen Union, um diesen Frieden und diese Freiheit, die wir uns so sehr gewünscht haben, zu erhalten«, sagte sie.

Dabei warnte sie auch vor einem übersteigerten Nationalismus, der andere Nationen ausgrenzt oder herabsetzt, und zitierte dabei den Kanzler der Wiedervereinigung, Helmut Kohl: »Nationalismus bedeutet am Ende immer Krieg.«

Sie räumte auch Fehler der EU ein und glaube, dass diese die Mehrheit der Bürger bei Entscheidungen nicht immer mit eingebunden und ausreichend informiert habe. »Aber in einer Zeit, in der Populismus und Nationalismus erstarken, darf man eines niemals vergessen: Ein geeintes Deutschland bedeutet Frieden«, sagte Angela Lück mahnend und warnte davor, dass der »Frieden nicht selbstverständlich« sei: »Wir müssen ihn ehren und schützen.«

Die Mitglieder des Posaunenchors der evangelischen Kirchengemeinde Eidinghausen-Dehme sorgten für die musikalische Untermalung und spielten unter anderem die deutschen Nationalhymne, um an die Bedeutung der Worte »Einigkeit« »Recht« und »Freiheit« zu erinnern.

 

Westfalen-Blatt vom 05.10.2019

Zurück