Frieda Nadigs Ziele bleiben aktuell

von Elena Strehle

Landrat, SPD und AWO erinnern mit der Familie an die Kämpferin für Gleichberechtigung

Foto: AWO OWL

Herford (HK). Sie war eine von nur vier Frauen im Parlamentari­schen Rat, der das Grundgesetz nach dem zweiten Weltkrieg ent­warf. Allein, dass sie die Aufnah­me des Artikels drei, „Männer und Frauen sind gleichberechtigt“, for­derte und gemeinsam mit ihren Mitstreiterinnen durchsetzte, si­chert ihr einen besonderen Platz in der deutschen Geschichte.

Vor 50 Jahren, am 14. August 1970, starb die aus Herford stam­mende Frieda Nadig im Kranken­haus Bad Oeynhausen. Sie leistete nicht nur zum Grundgesetz einen wichtigen Beitrag, sondern war auch für Herford und die Region Ostwestfalen-Lippe von großer Bedeutung. So wurde sie die erste Geschäftsführerin der AWO in OWL nach dem Krieg, war erst Landtags-, dann Bundestagsabge­ordnete für die SPD und setzte sich Zeit ihres Lebens dafür ein, dass Menschen in Deutschland gesetzlich gleichgestellt werden.

Vor diesem Hintergrund erin­nerten Landrat Jürgen Müller, der stellvertretende Bürgermeister Andreas Rödel, der Bundestagsab­geordnete Stefan Schwartze, eh­ren- und hauptamtliche Vertreter der AWO und die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Herford ge­meinsam mit Gisela Bäumer, Nichte und Patenkind Frieda Nadigs, an eine Frau, deren Schaffen auch heute noch von höchster Re­levanz ist. „Sie wünschte sich ge­lebte gesellschaftliche Solidarität und engagierte sich dafür in außergewöhnlichem Maße“, wür­digt Angela Lück, die ehrenamtli­ches Mitglied von Aufsichtsrat und Präsidium des AWO-Bezirks­verbandes OWL ist, die Herforderin im Rahmen eines Besuchs an der Grabstätte der Familie.

Thorsten Klute und Frank Olivier vom Vorstand des Bezirksver­bandes legten gemeinsam einen Kranz mit der Aufschrift „In dank­barer Erinnerung“ nieder. Laut ihrer Nichte war sie ständig im Rahmen ihres gesellschaftlichen und politischen Engagements unterwegs und gönnte sich weni­ge Pausen, hatte aber dennoch im­mer ein offenes Ohr für Men­schen, die ihre Gedanken mit ihr teilen oder Rat suchen wollten. „Vor dem Hintergrund neuer und alter Ungleichheiten, in Anbe­tracht demokratischer Entfremdungstendenzen sowie in Zeiten einer allgegenwärtigen Pandemie, möchten wir an Frieda Nadig erin­nern und Menschen jeden Alters dazu auffordern, sich für eine ge­rechte, solidarische Gesellschaft zu engagieren“, führte Angela Lück weiter aus.

Landrat Jürgen Müller ergänzte: „Es ist ein langer Weg, denn wie wir sehen, ist Frieda Nadigs Ziel, eine Gleichberechtigung aller Menschen, noch längst nicht er­reicht.“

Westfalen-Blatt vom 17.08.2020

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