Fahrerlos in die Zukunft

von Elena Strehle

c/o: Philipp Bülter

Von Philipp Bülter

Bad Oeynhausen (WB). Mit einem vollkommen autonom fahrenden Kleinbus zum Einkaufen in den Supermarkt – diese Vision könnte in Bad Oeynhausen von 2025 an Wirklichkeit werden. Die SPD-Politiker Stefan Schwartze, Angela Lück und Christian Dahm haben sich darüber im Zuge ihrer Sommertour informiert.

Die neunte Station ihrer Reise durch die heimischen Kommunen führte Bundestagsmitglied Schwartze sowie die Landtagsmitglieder Lück und Dahm gestern in die Kurstadt. Angereist kam das Politikertrio mit einem Elektroauto. »Das allein war schon eine spannende Sache«, sagte Lück. Das sind die Ziele

Für großes Interesse sorgte bei den Politikern, die von Bürgermeister Achim Wilmsmeier, Verwaltungsmitarbeiterin Irmgard Pepping und Fraktionschef Olaf Winkelmann begleitet wurden, ein Vortrag Thorsten Jungebluts von der Universität Bielefeld.

Der Technologieexperte, Mitglied des Exzellenclusters CITEC, das sich Kognitiver Interaktionstechnologie widmet, stellte die zentrale Projektidee seines Clusters vor. »Autöpia«, Kurzform für »Automatisierter ÖPNV in Stadt und Umland«, will durch autonomes Fahren Komfort und Qualität in der Personenbeförderung steigern. »Ich buche seine Fahrt zum Beispiel per App, das Fahrzeug holt mich zu Hause ab und fährt mich zu meinem Ziel. Das ist unser Ziel«, erklärte Jungeblut.

Als Fahrzeuge sollen demnach Kleinbusse, Kombis oder andere Pkw eingesetzt werden. Der ÖPNV werde durch das autonome Fahren komfortabler, attraktiver und kostengünstiger. »Wir wollen vor allem die Lebensqualität der Menschen im ländlichen Raum erhöhen«, sagte Jungeblut. Die neue Mobilität gehe zudem einher mit einer größeren interkommunalen Zusammenarbeit. Vier Phasen

Das selbst ernannte »Pilotprojekt für OWL« ist ein Gemeinschaftsprojekt von CITEC/Uni Bielefeld, der mhv mbH und dem Unternehmen Hella GmbH & Co. KGaA. Es fungiert im Zuge des Regionalentwicklungsprogramms Regionale 2022 und hat als Projektregion das Gebiet Bad Oeynhausen/Löhne/Vlotho ausgewählt.

In vier Phasen könnte das Projekt laut Thorsten Jungeblut vorangetrieben werden. In Phase eins könnte etwa Ende 2019 jeweils ein Fahrzeug – hier noch nicht ausnahmslos autonom fahren – die Pilotstrecken Bad Oeynhausen Bahnhof - Südbahnhof und Löhne Bahnhof - Löhne Rathaus bedienen. Bis Ende 2020 soll dann die Strecke Bad Oeynhausen Bahnhof - Löhne Rathaus (etwa acht Kilometer) schrittweise autonom befahren werden.

In Phase drei würde demnach etwa von Ende 2020 an ein Flächenbetrieb in Bad Oeynhausen und Löhne »On Demand«, also auf Abruf, möglich sein. Die letzte Etappe könnte von 2022 an die Bedienung bis nach Vlotho ausweiten und so entsprechend auch längere Strecken schaffen. Je nach technologischer Entwicklung könnte dann von 2025 an ein vollautonomer Betrieb möglich sein.

»Wir schätzen, dass man bei einer serienreifen Fahrzeugflotte die Kosten auf ein Drittel reduzieren kann«, betonte Jungeblut. Heißt: Wer heute 2,55 Euro für sein Busticket zahlt, müsste durch einen autonom fahrenden Bus zunächst noch 1,95 Euro und perspektivisch nur noch 85 Cent für die Beförderung zahlen.

Eingesetzt werden könnten in Bad Oeynhausen und Umgebung etwa sechs Fahrzeuge, die zunächst etwa 20 Kilometer pro Stunde fahren, sagte Jungeblut. »Wir wollen dann aber schneller werden«, versprach er. Investiert werden müssten »etwa fünf bis zehn Millionen Euro«. Prüfen wird diese und weitere Projektideen letztendlich das »Urban-Land Board«, in dem Landräte, Bürgermeister sowie Mitglieder von Hochschulen und der Industrie vertreten sind. Zuspruch und Bedenken

Stefan Schwartze, Christian Dahm und Angela Lück zeigten sich angetan von den Ausführungen Jungebluts, äußerten indes auch Bedenken, wie die Frage, ob auch älteren Menschen eine leichte Bedienung ermöglicht werde. »Diese soll auf jeden Fall nicht nur per App möglich sein«, entgegnete der Ingenieur. Ähnliche Projekte, die sich dem autonomen Fahren widmen, seien – unter anderem auf dem Gelände der Berliner Charité – erfolgreich angelaufen.

Im Anschluss an den Vortrag besichtigten die Politiker in der Innenstadt Bad Oeynhausens noch die Baumaßnahmen an der Viktoriastraße sowie den Kurpark. Irmgard Pepping, in der Verwaltung unter anderem für die Stadtgestaltung zuständig, erklärte, dass an der Viktoriastraße Sitzgelegenheiten geschaffen würden, die die Aufenthaltsqualität verbessern sollen. »Wir wollen auch eine Barrierefreiheit gewährleisten und die Attraktivität steigern«, sagte Achim Wilmsmeier.

Laut Irmgard Pepping sollen die Bauarbeiten, die mehr als 500.000 Euro kosten, im November abgeschlossen sein. Insgesamt liegen die Gesamtkosten für einzelne Maßnahmen im Zuge des Integrierten Städtebaulichen Entwicklungskonzeptes (ISEK), die wie berichtet ebenso den Sielpark oder den Kurpark betreffen, laut Verwaltung bei 1,5 Millionen Euro.

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