Eine Schwäche für die Schwachen

von Gaby Arndt

c/o Ulf Hanke

Von Ulf Hanke

Löhne. Wenn die Arbeiterwohlfahrt einlädt, ist die Bude voll: Fast 400 Senioren sind am Samstag zur vielleicht größten Weihnachtsfeier in Löhne zusammen gekommen. Literweise schenkten ehrenamtliche Helferinnen Kaffee aus und stellten hunderte Teller Kuchen auf den Tisch. Bei aller vorweihnachtlichen Gemütlichkeit erinnerte AWO-Chef Günter Pieper auch an die rauhen Zeiten und an den Ursprung der Arbeiterwohlfahrt, denn vor 100 Jahren hielt die AWO-Gründerin Marie Juchacz als erste Frau in einem deutschen Parlament eine Rede.

Die geschiedene, alleinerziehende Sozialdemokratin sprach am 19. Februar 1919 im Reichstag über die Gleichberechtigung von Mann und Frau, rechnete mit dem Krieg und den Kriegstreibern ab und rief zur Völkerverständigung auf. Für den Löhner AWO-Chef waren Juchaczs Worte so aktuell wie vor 100 Jahren. Hilfe, Solidarität, Gleichberechtigung, Respekt und Toleranz seien seitdem die Leitwerte der AWO, so Pieper.

Der AWO-Chef spricht von gesellschaftlicher Schieflage

In den letzten Tagen habe es immer wieder Meldungen über den Ansturm von Bedürftigen auf das Angebot der Tafeln gegeben. „Wenn das ehrenamtliche Angebot der Tafeln nicht mehr wegzudenken ist“, sagte Pieper, „ist doch einiges in Schieflage geraten.“

Diesen Faden griff Angela Lück auf. Die SPD-Landtagsabgeordnete erinnerte an 70 Jahre Frieden in der Bundesrepublik und wie dieser innere Frieden in den vergangenen Jahren „von einer menschenverachtenden Bewegung“ zerstört werde. Lück forderte die rund 400 Gäste der AWO auf, „Obacht zu geben und achtsam zu sein“. Das sei ihr Weinachtswunsch.

Bürgermeister Bernd Poggemöller lobte das bald 70 Jahre währende ehrenamtliche Engagement der AWO in Löhne. „Das ist vielleicht auch ein Grund dafür, dass wir in Löhne weniger anfällig sind für Gewalt und Hetze.“

Die Weihnachtsfeier der AWO für Senioren gibt es nach Angaben von Günter Pieper seit den 1990er Jahren, ziemlich genau seit 1999 im Wechsel mit dem Frühjahrskaffeeklatsch des Seniorenbeirats und des Seniorenbüros der Stadt Löhne.

Getragen wird die Großveranstaltung in Saal 1 der Werretalhalle von zahlreichen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern. 25 Ehrenamtliche waren seit dem Morgen damit beschäftigt, den Saal zu dekorieren und einzudecken, Kaffee zu kochen, zu verteilen und den Kuchen auf die Tische zu bringen. Und nachdem der Nikolaus (Manfred Hagemeier) kleine Geschenke für die Teilnehmer verteilt hatte und der Shantychor Bünde und die AWO-Band mehr als eine Stunde Musik gemacht hatten, musste der Saal auch wieder in den Ursprungszustand zurückversetzt werden.

 

Neue Westfälische vom 09.12.2019

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