Bunter Protest gegen Rechts

von Gaby Arndt

Demonstration: Auf dem Findeisenplatz versammeln sich 250 Menschen, um sich gegen Nationalismus und politisch motivierte Gewalt zu wehren

Von Gabriele Freimuth

Löhne. „Warum ich hier bin? Das ist ja wohl selbstredend. Abgrenzung gegen Rechts", sagt Ralf Jaworski fast empört und bringt damit die allgemeine Stimmung der rund 250 Anwesenden zum Ausdruck. Es ist eine bunte Mischung aus Jung und Alt, Aktivisten und auch Vertretern der Politik, die auf dem Findeisenplatz zusammen kommt, um ein Zeichen gegen rechte Gewalt und die Wiederkehr des Nationalismus zu setzen.

Ein großes Banner der „Falken" mahnt „Seenotrettung ist kein Verbrechen", man sieht Fahnen der SPD und von den Grünen. Eingeladen hatte das Bündnis „Gemeinsam für Vielfalt", das sich 2012 aus einem Zusammenschluss von Falken, Naturfreunden und Jusos gegründet hatte.

An einem Tag, an dem in ganz Europa Demonstrationen gegen rechte Hassparolen stattfinden, will man auch in OWL laut Mitglied Ramona Kemper ein Zeichen setzen. „Wir bieten den Leuten ein Ventil und treten ein gegen den Hass und für eine offene Gesellschaft", erklärt sie.

Auszeichnung für Ramona Kemper

Sie bedankt sich bei Bürgermeister Bernd Poggemöller für seine Unterstützung. Und der richtet sich auch als erster Redner an die Teilnehmer. Er bedauert, dass die Worte „Wir sind das Volk" zu einer braunen Parole verkommen seien, die ausgrenze. Und er ist stolz auf die Löhner, die eintreten für Meinungsfreiheit und Toleranz. Der Bürgerbewegung „Gemeinsam für Vielfalt" (GfV) übergibt er eine Auszeichnung von Faraj Remmo.

Remmo kam in den 80er Jahren als Asylsuchender in Deutschland an, und sitzt seit einem Unfall im Rollstuhl. Er arbeitet als Dozent an der Universität Bielefeld und zeichnet mit seinen Statuen Menschen aus, die sich besonders für Toleranz und gegen Fremdenhass verdient gemacht haben. Ramona Kemper nimmt die Auszeichnung stolz entgegen.

Danach tritt unter Applaus Volker Hegemann von der GfV an das Mikrofon. Ihm sei es wichtig, für Meinungsvielfalt einzutreten, auch wenn es oft schwierig sei. „Lasst und laut sein" , fordert der Lehrer die Menge auf.

"Wir können etwas bewegen"

Ein Credo, das auch von den nächsten Rednern bekräftigt wird. Wie bei den Besuchern bestehen die Gastredner aus einer Mischung offizieller Vertreter wie Lisa Prizebilla von den Falken, Friedel Böhse vom DGB oder Jürgen Birtsch vom Bürgerbündnis GfV. Aber es gibt auch eher persönliche Vorträge, wie den von Jakob Böttcher, der auch im Hambacher Forst aktiv war und aus eigener Erfahrung sagen kann: „Wir können etwas bewegen".

Als vierte Rednerin schildert Schülerin Saman Haji Hasan ihre Sichtweise als Betroffene. Als sie ihren Vortrag beginnt, wird es still auf dem Findeisenplatz, denn die Rede des jungen Mädchens trifft ins Herz. „Meine Tränen sind nicht blau, mein Blut ist rot. Ich bin wie Sie – aber auch wieder nicht, denn jeder ist einzigartig", beginnt sie und erzählt wie man sich fühlt, wenn nur noch die Rede von „den Flüchtlingen" ist und man selbst dazu gehört. Sie selbst ist vor vier Jahren von Aleppo in Syrien mit ihrer Familie nach Löhne gekommen.

Die Pause wird von der Musikgruppe JAS (Julia Unrau, Aileen Poggemöller und Sören Nagel) untermalt. Unterstützt werden sie von Bruno Brisch der für seinen Einsatz an der Blockflöte die Lacher auf seiner Seite hat. Die Naturfreunde sorgen für Erfrischung in Form von biologisch angebauten Apfelsaft und die Menge hat dank der Beiträge viel Gesprächsstoff.

Regina Blomenkamp ist laut eigenen Aussagen ein Kind der Friedensbewegung. „Wir sind doch schon lange eine bunte, vielfältige Gesellschaft. Nationalisten schüren nur Ängste gegen Andersdenkende, aber nur zusammen haben wir eine Chance auf ein friedliches Zusammenleben", bringt sie ihre Meinung auf den Punkt. Auch für SPD-Landtagsabgeordnete Angela Lück ist es eine Selbstverständlichkeit, bei der Kundgebung dabei zu sein: „Nur Schweigen reicht jetzt nicht, man muss Gesicht zeigen", sagt sie resolut.

-Lesen Sie unter Neue Westfälische vom 15.10.2018-

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