Berufskolleg will innovativ sein

von Elena Strehle

Innovationszentrum Fennel: Beim Unterrichtsbesuch der Landtagsabgeordneten Angela Lück stellt die private Schule ihre Methoden vor

Bad Oeynhausen. Die meisten Politiker sind schon lange aus dem Schulalter raus. „Man sagt immer so, Politik machen nur die alten Säcke“, sagt Landtagsabgeordnete Angela Lück (SPD). Sie steht vor einer Klasse am Berufskolleg der Deutschen Angestellten-Akademie im Innovationszentrum Fennel (IZF). Sie nutzt den „Tag der Freien Schulen“, an dem Politiker private Schulen in ihrem Wahlkreis besuchen, um ihre Botschaft loszuwerden. „Aber die alten Menschen machen die Politik für Leute in Ihrem Alter. Also engagieren Sie sich.“ Das sei für die Demokratie immens wichtig.

Mit dem Berufskolleg am IZF steht die 60-Jährige, die vor ihrer politischen Karriere als Krankenschwester im Herz- und Diabeteszentrum (HDZ) arbeitete, in einer Schule, die um ihren Ruf bemüht ist. Mandy Grunau, Standortleiterin des Berufskollegs, stellt klar: „Wir haben hier junge Erwachsene, die woanders keine Chance bekommen haben. Aber wir geben diesen jungen Menschen ihre Chance.“

Der technische Leiter Stephan Mielke fügt hinzu, was ihm persönlich wichtig ist: „Mit dem IHK-Abschluss sind die Schüler hier nicht besser, aber auch nicht schlechter als andere Auszubildende.“ Der technische Leiter ist auch der, der die Digitalisierung an der Einrichtung voranbringt und seinen Fortschritt der Landtagsabgeordneten Lück vorstellt. Mittlerweile arbeiten die Auszubildenden mit Tablets, die sie auch privat mit nach Hause nehmen dürfen. Ihr Lernfortschritt wird mit einem Lernmanagementsystem erfasst. „Das hilft uns individuell auch Hilfestellung zu geben“, sagt Mielke. Standortleiterin Grunau sagt: „Mit Kontrolle hat das für mich nichts zu tun. Da überwiegen die Vorteile für die Auszubildenden, aber auch für die Ausbilder, denen viel Arbeit und Papierwust abgenommen wird.“

Der Tag, der unter dem Motto „Schenken Sie uns eine (Schul-)Stunde ihrer Zeit“ steht, wird federführend vom Verband Deutscher Privatschulen NRW (VDP) organisiert wird, soll den Politikern einen Einblick in diese Sparte des Bildungssystems geben und den Schülern andersrum die Politik näher bringen. Bei ihren Schulbesuchen im Rahmen dieses Projektes stellt Lück vor allem bei der Digitalisierung starke Veränderungen fest.

Die Unternehmen fordern ausgebildete Fachkräfte, der Rolle versuchen die Schulen gerecht zu werden, eben auch durch neue Technik.

Dabei dürfe das Handwerk allerdings nicht zu kurz kommen, sagt Angela Lück, als sie in der Werkhalle der Schule steht, in der die Schüler die praktische Erfahrung an den Maschinen sammeln. „Klar ist Digitalisierung wichtig. Aber die jungen Menschen müssen ja auch noch lernen, wie sich ein Material anfühlt, wie es riecht und sich verhält, wenn man es bearbeitet“, sagt sie. „Dabei wird der Grundstock für den Beruf gelegt.“

Eine Möglichkeit, die Azubis auch in Zukunft zu schulen, könnte die Augmented Reality – erweiterte Wirklichkeit – sein. Dabei werden mit technischer Unterstützung Dinge in der Realität dargestellt, die nicht vorhanden sind, aber zusätzliche visuelle Informationen zum analogen Gegenstand bieten können. Und das System der DAA scheint aufzugehen.

In den vergangenen zwei Jahren haben alle Azubis, die sich zur IHK-Prüfung angemeldet haben, auch bestanden. Ab sofort hat es sogar noch einen besonderen materiellen Anreiz, die IHK-Prüfung zu schaffen: Denn dann dürfen die Auszubildenden ihre Tablets behalten.

Neue Westfälische vom 05.11.2019

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