NRW bundesweites Schlusslicht bei Organspenden

von Gaby Arndt

c/o Katharina Brand-Parteck

Medizin: Im schlimmsten Fall droht Deutschland der Ausschluss aus dem europäischen Verteilsystem. Der Gesundheitsminister plant, die Transplantationsbeauftragten zu stärken


Von Carolin Nieder-Entgelmeier


Düsseldorf. Mit 8,2 Organspendern pro eine Million Einwohner liegt NRW an letzter Stelle der sieben Organspende-Regionen in Deutschland. Um diese Negativentwicklung zu beenden, plant NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) eine gesetzliche Stärkung der Transplantationsbeauftragten in den Krankenhäusern. Zudem fordern Ärzte und Politiker eine gesellschaftliche Debatte über einen Systemwechsel.


Die Zahl der Organspenden ist in Deutschland auf dem niedrigsten Niveau, seitdem diese Zahlen dokumentiert werden. Die Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO) weist für das vergangene Jahr 797 Organspender aus, also 9,7 Organspender pro eine Million Einwohner. Zum Vergleich: Vor zehn Jahren waren es noch 1.313, also 40 Prozent mehr als 2017.


Damit rutscht Deutschland unter die kritische Marke von zehn Organspendern pro eine Million Einwohner, die für die Aufnahme in die Organvermittlungsstelle Eurotransplant als Minimum gesetzt wird. Deutschland droht also der Ausschluss aus dem Verteilsystem Eurotransplant, das Organspenden in Deutschland, den Benelux-Ländern, Österreich, Slowenien, Kroatien und Ungarn vermittelt.


Um den Ausschluss zu verhindern, nimmt Laumann auch die Krankenhäuser in die Pflicht. "Kliniken müssen sich erheblich stärker um das Thema kümmern", sagt der Gesundheitsminister. 2017 sind nach Angaben von Laumann 180 Spender in NRW nicht bei der DSO gemeldet worden, wie sich nachträglich bei Obduktionen herausgestellt hat. "Zudem brechen Krankenhäuser häufig intensivmedizinische Maßnahmen vorzeitig ab, ohne mit den Angehörigen die Möglichkeit einer Organspende zu klären."


Laumanns Vorstoß wird nicht nur von seinen Parteikollegen, sondern auch von der FDP, der SPD und den Grünen im Landtag unterstützt. "Transplantationsbeauftragte können diese Aufgabe nicht nebenher erfüllen, deshalb muss dringend geprüft werden, ob die Gesetzgebung zur Stärkung angepasst werden muss", sagt die gesundheitspolitische Sprecherin der FDP in NRW, Susanne Schneider.


Zudem müsse eine gesellschaftliche Debatte zu dem Thema beginnen, fordert die Löhner Landtagsabgeordnete der SPD, Angela Lück. "Prüfen und debattieren sollten wir auch die Widerspruchslösung, die in vielen Nachbarländern mit deutlich mehr Organspendern gilt." Bei der Widerspruchslösung gilt, dass nach dem Tod Organe entnommen werden können, wenn zu Lebzeiten einer Spende nicht ausdrücklich widersprochen wurde.


Große Teile der Ärzteschaft fordern seit langem einen Systemwechsel. So auch Westfalen-Lippes Ärztekammerpräsident Theo Windhorst: "Wollen wir weiter zusehen, wie jeden Tag drei Menschen sterben, oder etwas ändern?"

 

Neue Westfälische, 19.01.2018

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